Donnerstag, 29. Dezember 2011

Verhinderte „Bescherung“?


Am 24.12. nachmittags. Wir sind in Erwartung unseres Besuches und ich wusele noch etwas
„ im Garten“. Ein Moped kommt zielgerichtet auf unser Tor zugefahren. Ein Mann und eine Frau mittleren Alters steigen ab- normal gut gekleidet.
Der Mann holt aus einer großen Tasche eine 5l- Druckflasche und beginnt damit, den Boden vor unserem Grundstück zu besprühen. Mit einem abgegriffenen bunten Prospekt, auf dem ein grünes Kreuz und verschiedene Insekten zu sehen sind, erklärt mir die Frau, dass sie im Auftrag der Stadtverwaltung Insektenbekämpfung durchführen.  Aus dem Kauderwelsch filtere ich immer nur die Wortfetzen „ from the gouvernment“ und „ it is free, no money“
Der Mann hat inzwischen auch unseren Hof und die vielen Topfpflanzen besprüht- relativ oberflächlich und nicht gerade gründlich, wie mir scheint. Und ich bemerke etwas verwundert, dass das Sprühmittel völlig geruchlos ist.

Nun möchte man die Besprühung auch im Hause fortsetzen. Aber das wert die Hausfrau vehement ab. Schließlich erwarten wir Besuch und da ist das gerade gar nicht passend. Mit Hilfe eines Kalenders versuche ich noch, sie auf einen anderen Termin umzulenken, was aber nicht so richtig auf Verständnis trifft
So tritt eben das Paar den Rückweg an. Zuvor nutzt der Mann noch die Gelegenheit, am Wasserhahn im Hof die Flasche aufzufüllen. Zu meiner großen Verwunderung setzt er aber dabei keinerlei Chemikalie zu.
Schließlich besteigen die beiden das Moped und brausen davon- ohne auch nur bei einem weiteren Nachbarn aktiv werden zu wollen.

Am nächsten Tag erzählen uns Bekannte, dass in der letzten Zeit mehrere Familien in Tay Ho beraubt worden waren, indem sich Leute unter verschiedene Vorwänden ( „ Inspektion von Anlagen“ u.ä.) Zutritt zu den Häusern verschafft hatten.
Da läuten natürlich im nachhinein sämtliche Alarmglocken! Haben wir intuitiv einen ähnlichen Versuch abgewehrt? Einige Beobachtungen und Fragen  im kritischen Rückblick sprechen dafür:
- Warum wurden zielgerichtet wir aufgesucht?
- Die Leute hatten keinen offiziellen Ausweis bei sich.
- Haben die nur mit blankem Leitungswasser gesprüht?

Sei es wie es sei- wir sind verschont geblieben. 
Aber der Beitrag in der DW über gehäuftes Auftreten von Trickbetrügern in Deutschland passte dazu natürlich „ wie die Faust auf``s Auge“

Dienstag, 27. Dezember 2011

Weihnachten zum Dritten und Letzten



Nun ist das „Fest aller Feste“ vorbei.

Aus verschiedenen Erzählungen erfuhren wir, dass Weihnachten auch schon in vielen  vietnamesischen Familien als „ Fest der Geschenke“ angekommen ist- ohne natürlich die historischen Bezüge zu kennen.
In einer benachbarten Schule  beobachtet ich am 24.12. vormittags eine aktionistische Feier von und mit größeren Schülern ( um 14 Jahre), in der tatsächlich auch ein Weihnachtsmann mit von der Party war.

Hat nun die massive Werbung des Commerz in den Familien Früchte getragen oder hat der Handel die Bedürfnisse der Familien einfach nur aufgegriffen oder „ schaukelt sich das gegenseitig hoch“ ??

Sicherlich ist die Palette der Möglichkeiten, Weihnachten  zu feiern, sehr breit.
Hier noch ein paar Beispiele

Und jeder feiert eben nach seinem Geschmack…..

Freitag, 23. Dezember 2011

Noch mehr Weihnachten…


Der „ Merry Christmas- Rummel“ hat sich nun in breiter Front entwickelt. Selbst  beim Weihnachtskonzert in der Oper am gestrigen Abend standen 2 permanent grellbunt flackernde Weihnachtsbäume  auf der Bühne und rahmten Vivaldi, Händel u.a. ein.
Wer noch mehr bunte Bäume auf der Hang Ma sehen will, der schaut einfach mal bei CatrinKa `rein

Aber irgendwie scheint diese intensive „ Bewerbung“ auch in den vietnamesischen Familien Effekte zu zeigen. Zum Beispiel wünschte sich die 4 jährige Tochter einer Kollegin  auch schon vor Tagen einen kleinen Weihnachtsbaum. Und aus der Nachbarschaft erhielten wir einen wunderschönen Strauß gelber Chrysanthemen mit den besten Weihnachtswünschen ( in deutsch!!!)

Wir haben unser Haus auch etwas weihnachtlich geschmückt. Einen Mini- Weihnachtsbaum hatten wir am 2. Advent aus dem Kiefernwald von Soc Son geholt.



Und die Hobbyfloristin hat einige schöne Gestecke gezaubert.


 Übrigens : Bei der Suche nach dem Kasten oder ähnlichem für das erste Gesteck lernt ich noch viele einschlägige Geschäfte in Hanoi kennen. und die Angebote reichten von " 0" ( in den meisten Fällen) bis zu 1.400.000 VND ( aus Edelholz). Letztendlich habe ich es dann selbst gebastelt

Nun bleibt uns nur noch für alle, die diesen Blog immer lesen, unser Wunsch


                                                    Frohe Weihnachten

Freitag, 16. Dezember 2011

Der Eiermann


Er klingelt und singt zwar nicht……
Aber mehrere seiner Berufskollegen und -kolleginnen sind täglich mit Moped oder Fahrrad unterwegs. Und das oft genug auch im dichtesten Verkehrsgewühle.



Mann, oh Mann, das Rührei möchte ich sehen, wenn der mal in einen Crash verwickelt wird.
Aber dieses Schauspiel bleib mir bisher verborgen…

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Die Chua hat sich fein gemacht....

Dieses monumentale Tor unserer benachbarten Pagode 

war in den letzten beiden Jahren in Handarbeit neu errichtet worden und präsentierte sich lange im schlichten „ Betongrau“. Nun war es aber an der Zeit, mehr Farbe ins Spiel zu bringen ( Vielleicht haben auch die Feiern der letzten Monate genügend Geld in die Kassen gespült??)

Sehr fachmännisch wurde die Farbgebung vollzogen: Zuerst alle Flächen von Hand abschleifen, dann 2 x grundieren und zu Letzt Bemalung der Details.


















Auch die Holz-Tore mit ihren vielfältigen Verzierungen wurden abgeschliffen und neu lackiert.


Jetzt leuchtet die gesamte Fassade allen Besuchern und Passanten entgegen.
Mal sehen wie lange die Pracht unter diesen schwierigen Klimabedingungen anhält.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Deutsch- Vietnamesische Adventszeit


Nun sind wir schon wieder mitten drin in dieser Adventszeit, deren Stimmungsbarometer  von besinnlich bis hektisch reicht- je nach Temperament und Gefühlslage jedes einzelnen.

Hier in Vietnam entfällt ja grundsätzlich erst mal die bange Hoffnung auf den Schnee als feierlicher Rahmen. Diesem alljährlichen Nervenkitzel in Deutschland mit der bangen Frage: „ Kommt er oder nicht?“ brauchen wir uns hier nicht zu unterziehen.
Die stimmungsvollen Weihnachtsmärkte mit Glühwein und mehr… vermissen wir schon etwas.
Dafür hat der „ Merry Christmas – Rummel“ made in USA and China doch schon weite Bereiche der Chopping- und Touri-Szene okkupiert. Nur auf den „ normal“ Märkten ist davon nichts zu spüren.

Wir zu Hause haben unsere eigene kleine Vorweihnachtswelt geschaffen und die Wohnung etwas festlich geschmückt. Den absoluten Höhepunkt bildet die 
deutsch- vietnamesische Weihnachtskrippe.
 Aus dem Schwarzwald hatten wir bereits im Sommer echt handgeschnitzte Krippenfiguren mitgebracht. Diese fanden nun ihren Platz auf einem vietnamesischen Hausaltar. ( Der „ Internationale Verband der Vorfahren“ wird sicherlich Verständnis dafür aufbringen, dass wir „ das Haus der vietnamesischen Ahnen“ etwas umfunktioniert haben…)



Komplettiert wird das Ensemble noch mit einer Spieldose ( made in China und gekauft in Deutschland)  und einer Pyramide ( made in Erzgebirge). Und das Weihnachtsoratorium und andere Platten spielen ja bekanntlich auf jedem CD-Player

Etwas belustigt-erschüttert hat uns allerdings diese Beobachtung, dass wir die gleichen Krippen-Figuren auch hier in Hanoi hätten kaufen können- allerdings in Plaste und made in China.



Donnerstag, 1. Dezember 2011

Neugierige Touristen –hier und dort


Ein ganz normaler Morgen zu Hause in Thüringen. Wir haben gerade das Frühstück beendet. Meine Frau ist noch dabei, das Geschirr in den Spüler einzuräumen und ich widme mich dem Blumen Gießen.

Es klingelt. Als ich die Haustür öffne, will ich meinen Augen nicht trauen. Da steht eine bunte Truppe von Menschen vor unserem Grundstück. Ein paar Afrikaner tragen zwar nicht ihre volle Stammeskleidung, aber haben sich doch mit bunten Tüchern geschmückt. Die Herren mit den  breitkrempigen Hüten kommen wohl aus Texas. Sie sind zum ersten Mal in Europa. Mehrere Asiaten verschiedener Herkünfte diskutieren eifrig und zwei Herren hantieren emsig mit Kamera und Stativ. Sicherlich haben sie schon unser ganzes Haus abgelichtet. Das müssen Japaner sein!

Aus der Truppe löst sich ein Mann, der vorher fließend englisch gesprochen hat. Im breiten thüringischen Dialekt erklärt er mir, dass er diese Reisegruppe auf der Tour durch Thüringen begleitet Es sei der ausgesprochene Wunsch aller Teilnehmer, nicht nur die touristischen Höhepunkte von Erfurt kennen zu lernen, sonder auch mal das reelle Leben der Einwohner auf dem Dorfe. Und da haben sie es immerhin schon bis zu unserem Vorort geschafft und offensichtlich unser Haus für eine Besichtigung auserkoren. Wir hätten doch sicherlich nichts dagegen, wenn sie unser Haus auch mal von innen ansehen könnten.

Ehe ich zu einer Antwort fähig bin, quillt die ganze Schar an mir vorbei ins Haus. In der Küche erweckt der noch offene Geschirrspüler große Aufmerksamkeit. Die Afrikaner kann ich gerade noch davon abhalten, die Restwärmeanzeige auf dem Ceran- Kochfeld mit der blanken Hand zu testen. Warum gibt es in der Küche keinen Fernseher und wieso läuft der flat screen im Wohnzimmer nicht? Im Wohnzimmer werden die Möbel aus Echtholz fachmännisch beklopft und das weiße Leder der Couch-Garnitur „ betatscht“.  Beachtung erweckt die große Anzahl von Blumentöpfen und Blattpflanzen in der ganzen Wohnung. Eine ganze Menge erkennen sie als heimische Pflanzen wieder – aber die könnten doch alle im Freien stehen !!!
Auf die Frage nach dem Schlafraum tobt alles nach oben und stellt verwundert fest, dass kein Moskitonetz gespannt ist.

Einhellig ist die Verwunderung aller, dass keine Kinder und Enkel im Hause anzutreffen sind.

Noch schnell ein Gruppenfoto mit uns beiden und dann ist der ganze Spuk auch schon wieder verschwunden.

Nein! Natürlich hat diese Begebenheit nie statt gefunden!

Es kam mir nur in den Sinn, wie sich diese Menschen in den touristischen Zielländern wohl fühlen mögen, wenn sich tagaus tagein Massen von Menschen in ihre Privatsphäre ergießen
Wie z.B. bei den Orang Asli im Taman Negara Nationalpark im Malaysia oder in den flooting villages in der Halong Bucht  oder eben auch, wenn im Tay-Dorf in Mai Chau einzelne Leute zwar bescheiden, aber doch neugierig ihr Haus besichtigen

Das ist sicherlich immer eine Gratwanderung zwischen Neugierde und Pietät einerseits und Gelassenheit und Geschäft andererseits….