Nach dem Besuch der Nudelfabrik
mit Frühstück einer Pho (Im Unterschied zum Norden kommen hier größere
Fleischstücke in die Suppe) geht’s wieder aufs Moped.
Die Fahrt durch die Stadt und
erst recht dann auf der Landstraße ist sehr entspannt. Das liegt sicherlich
auch mit am Feiertag. Erst geht’s ein paar km entlang des Hightway`s, dann wird
auf eine Nebenstraße abgebogen. Rechts und links wechseln sich Obstplantagen (hauptsächlich
Guaven) mit Reis- und Gemüsefeldern ab. Selbst die Straßenränder werden teilweise genutzt.
Nach Passieren einer Kleinstadt
mit Markt wird es richtig ländlich.

Die Straßen werden enger, mit einer Fähre
überqueren wir einen der zahlreichen Kanäle
und von da ab gibt es nur noch Wege
- aber befestigt mit mehreren Brücken (ca. 1,50 m breit ohne Geländer)
Und schließlich sind wir
angelangt im Homestay.
Nun ja, wir kennen ja schon
einige Home-Stay`s in Vietnam und glaubten
zu wissen, was uns erwartet. Aber was wir hier vorfanden übertraf- besser
untertraf- all unsere Erwartungen:
Ein aus Stein gemauertes Haus – etwas
erhöht auf einem Podest. Die Fußböden in mehreren „ Zimmern“ sind alle
gefliest. Auch eine „ kalte Pracht“ ist vorhanden- das Wohnzimmer mit echt
vietnamesisch schweren Sesseln und Fernseher, was aber offensichtlich höchst
selten genutzt wird.
Überall steht und liegt
„irgendwelches Zeugs“ herum, von der Familie selbst und Bau-Material. Selbst
für unser geringes Gepäck (ein Rucksack) findet sich keine richtige Ablage in „
unserem Zimmer“, aber dafür ein Ventilator und eine Steckdose zum Aufladen des
Foto-Akkus.
Das ist das einzigste Foto vom
Haus- irgendwie sträubte sich etwas in mir, hier weiter zu fotografieren.
Man beachte, dass die Liegefläche
auch gemauert ist (dazu später etwas mehr).
Auf Nachfrage bekamen wir sogar
noch eine richtige Matratze. Und –aus Erfahrung klug- hatten wir unsere
Seidenschlafbags dabei.
In der Küche im Vorbau steht
sogar ein neuer, zweiflammiger Gasherd.
Die „ Krönung“ ist der „
Sanitärtrakt“:
Ein fensterloser Verschlag mit
einer klapprigen Falttür. Darin stehen immerhin ein Toilettenbecken und mehrere
Bottiche Wasser mit einer Schöpfkelle.
„ You can take a shower“ = Originalton unseres
Guide.
Aber es liegt extra für uns die Gästegrundausstattung
des Kim Lan- Hotels bereit: Seife, Zahnbürsten und Kamm…..
Wir haben den Schock und auch die
eine Nacht überstanden und können nur hoffen und wünschen, dass sich mit
Fertigstellung der neuen Häuser die Verhältnisse etwas bessern.
Ja, auf dem Gelände entstehen in
„ Leichtbauweise“ aus Bambus
und
Palmblättern mehrere Gästehäuser.

Auch der ursprüngliche
Garten mit schon fruchtenden Obstbäumen,
Hühnerauslauf und Fischteich wurde noch erweitert.
In den Teichen schwimmen wirklich Massen von Fischen, separiert nach Alter und Größe. Die Strahler sollen dazu dienen, nachts die Fische zum Fangen anzulocken.
Dahin kommt man derzeitig
aber
nur über einen Balken ohne Geländer,
den wir natürlich zur Belustigung
der Bauarbeiter nur mit Mühen
und mit Hilfe einer Stange
überwinden konnten.
Die Gastfamilie besteht aus dem
Elternpaar- Mitte 40, zwei Söhnen und der jüngeren Tochter. Bis auf die
Tochter, die eine Restaurantausbildung (?) hat und etwas englisch versteht, ist
direkt nur die minimale Verständigung mit unseren bescheidenen Vietnamesisch-
Kenntnissen möglich. Und so läuft die Konversation hauptsächlich über den
Guide, der wiederum perfekt englisch spricht.
Er erzählt uns viel über das Leben hier; dass die Leute hier eigentlich
alles zur Selbstversorgung fürs Leben
haben und glücklich und gesund sind.
Äußerst bemerkenswert ist seine Erzählung, dass in
der Regenzeit das Wasser manchmal doch so hoch ansteigt, dass selbst das Haus
überflutet ist:
„ dann sitzen die Leute eben auf
den Podesten und warten, bis das Wasser wieder abfließt…“
Aber so an einigen Momenten kommen
wir uns doch auch so vor, als würden wir hier doch auch als westliche Touri´s „
vorgeführt“. So, z.B. wenn der „ big lunch“ zelebriert wird ( aus einigen
vorher auf dem Markt eingekauften Lebensmitteln, u.a. auch ein Fisch).
Oder wenn es am Abend „ sweet
potato
barbecue“ gibt- aus den genau abgezählten
3 Stück, die auch auf dem Markt
gekauft
worden waren.
(das Feuerchen wird übrigens aus den
Schalen von
Kokosnüssen bereitet)
Oder wenn Vera am Morgen im
Hühnergarten genau zwei Eier „ finden darf“…..
Oder wenn wir die Früchte des
Gartens ernten …
Am Tollsten war aber die ausführliche „ Flurfahrt“ mit dem Boot.
Da lacht das Herz des Landwirtes:
große ebene Reisfelder und Spuren von Landtechnik im Kleinformat; hauptsächlich
für die Bodenbearbeitung (hier lernt unser Guide den Begriff „ eiserne Kuh“
kennen…).
Die Ernte soll wohl auch
maschinell erfolgen mit Maschinen von Dienstleistern oder Maschinenringen.
Die Reisbestände sind relativ
sauber und gesund,
u.a. fanden wir auch Hinweise auf eingesetzte
Fungizide zur Bekämpfung
einer weltweit
verbreiteten Pilzkrankheit.
Düngung und Unkrautbekämpfung
erfolgen manuell.
Wir fahren durch kleine und
kleinste Kanäle, begegnen Boote unterschiedlicher Größenordnung,
besichtigen Schweineställe,
einige magere Rinder und Enten.
Auch hier ist uns wieder das Touristenglück hold
und wir sehen, dass die " Monkey-Bridges"
auch wirklich genutzt werden.
Und selbstverständlich muß ich es auch
selbst ausprobieren-
Ganz schön wacklig, aber machbar!
Auch Fischfangmethoden werden uns
demonstriert mit Reusen und diesen großen
„ Schwebe“-Netzen.
Sie werden ins Wasser gelassen und nach
einiger Zeit ruckartig nach oben gezogen in der
Hoffnung, dass ein oder mehrere
Fische nicht
rechtzeitig heraus schwimmen konnten. Unsere
Demonstrationsversuche
waren allerdings
erfolglos..
Hier wird ein Feld neu aufgeschwemmt.
Der Boden ist sehr stark tonhaltig und kann nur im gut feuchten Zustand
bearbeitet werden.
Und wir konnten beobachten, dass
das niedrige sanitäre Niveau des Homestay im wirklichen Leben noch unterboten
werden kann:
Das ist ein „ Wasserklosett“. Der
Korb mit Papierresten verrät, dass es in reger Benutzung ist!!!!
Dieser Junge und auch die
Bauarbeiter am Abend vollziehen
ihre körperliche Säuberung im Fluss.
Aber eine Frage konnten wir auch
hier nicht klären- vielleicht haben wir auch nicht intensiv genug nachgefragt:
Wie bekommen die Hausfrauen ihre Wäsche sauber, auch die weiße??
Diese ganze Flurfahrt genossen
wir am Neujahrs-Nachmittag bei Temperaturen um 28 Grad, strahlendem
Sonnenschein und friedlicher Ruhe!
Die Nacht haben wir überstanden,
das Frühstück war einfach (wir hatten unsere Grundversorgung- Marmelade und
Brötchen dabei). Unser Guide frühstückte nicht. Da er nicht körperlich arbeitet, braucht er
kein Frühstück, sondern eben dann wieder einen „big Lunch“.
Bei der Rückfahrt war der Verkehr
in Stadtnähe dann doch schon etwas lebhafter, aber längst nicht so stressig wie
in Hanoi.
Zurückgekehrt ins Hotel bekamen
wir noch mal ein paar Stunden ein kleines Zimmer (kostenlos, obwohl wir schon
ausgecheckt hatten), wo wir in aller Ruhe unseren „ sanitären Normalzustand“ wieder herstellen
konnten.
Alles in allem- eine tolle Tour am
Puls des Lebens im Mekong- Delta, die wir nicht missen möchten!!!