Schon seit Beginn unseres hier Seins in Hanoi bewegte mich
diese Frage bei den vielen fremdartigen Blumen, Sträuchern und Bäumen.
Die richtigen Antworten darauf zu finden, war und ist immer
noch gar nicht so einfach.
Systematik, Taxonomie und Pflanzenbestimmung waren nun auch
nicht unbedingt die wichtigsten Fächer in meiner biologischen und botanischen
Ausbildung.
Aber mit viel Suchen und Finden im Internet und von
freundlichen Leuten, die mehr als ich Bescheid wissen, gelang es mir doch, zu
einer ganzen Reihe von Gewächsen die Namen und Zusammenhänge zu finden.
Dazu passte denn auch dieser Satz, den ich bei meinen
Recherchen in einem Beitrag der Uni Hamburg unter dem Titel
„Systematik und Taxonomie: Methoden und Regeln zur Klassifikation
von Pflanzen“
„Es ist wohl ein Bestreben des Menschen, in jede Vielfalt
eine Ordnung hineinzubringen, denn man kann nur das versuchen zu verstehen, was
man übersehen kann“.
( Für die Systematiker in der deutschen Sprache: „ übersehen“
im Sinne von
„ erfassen“ und nicht im Sinne von „ darüber hinweg sehen“)
In loser Folge möchte ich euch in der nächsten Zeit einige
Ergebnisse meiner Aktivitäten vorstellen.
Keine Bange: ich möchte euch nun nicht mit Fachinformationen
„zu schütten“. Aber vielleicht könnt ihr euch genauso wie ich an den vielen
Fotos und ein paar wenigen Informationen dazu erfreue. Wem es dann zu theoretisch
und ausführlich wird, der kann ja einfach weiterblättern.
Beginnen wir also mit einem ganz einfachen Beispiel - dem
Flammenbaum.
Er wird auch Flamboyant genannt und heißt mit lateinischem Namen Delonix regia
und in vietnamesisch Phượng vĩ (
das wiederum heißt „ Schwanz des Phoenix“ – mit der Rückübersetzung „
Poinciana“ als Synonym)
Zuerst war er uns im Mai 2011 auf der Insel Phu Quoc
aufgefallen mit seinen fantastischen Blüten in dem filigranen Blattwerk.
Und
dann entfaltete er in Hanoi im Mai/ Juni 2011 ein wahres Blütenfeuerwerk,
Auch 2012 blühte er wieder tüchtig, aber nach meinem
Eindruck nicht in dieser Pracht wie im Vorjahr. Ob sich dahinter eine gewisse
Periodizität im Blühverhalten verbirgt ( 2010 war er uns gar nicht
aufgefallen), kann ich nicht beurteilen.
Der Baum erreicht eine Höhe bis zu 20 m. Er ist zwittrig und
damit auch einhäusig, d.h. er blüht und fruchtet an jedem Baum. Seine dicken
langen Früchte
lassen ihn zur Familie der Hülsenfrüchtler und zur Unterfamilie
der Johannisbrotgewächse gehören.
Die ursprüngliche Heimat des Flamboyant ist
Madagaskar.
Er wird aber in den gesamten Tropen als Ziergehölz in Gärten, Parks und als
Alleebaum angepflanzt. Die Franzosen haben ihn im späten 19. Jahrhundert in
Vietnam heimisch gemacht.
Verwendung: Schattenbaum, Holz für
Möbel und wie für die meisten Pflanzen in dieser Region wird auf der
vietnamesischen Wiki auch die Verwendung für verschiedene medizinische Anlässe
angegeben.
Soweit war das doch ganz einfach und nicht zu fachlich überladen,
oder?
Aber nun kommt die Krux:
Beim Stöbern im Internet fand ich doch fast die gleichen
Blüten mit einer ganz anderen Bezeichnung -
Pfauenstrauch
(Caesalpinia pulcherrima).
Hat da jemand nur einen anderen Namen vergeben? Nein, er
gehört auch zur Unterfamilie der Johannisbrotgewächse. Aber diese wurde nach
neuen Untersuchungen noch in drei
Tribus gegliedert und enthält 120 bis 170 Gattungen mit etwa 2000 bis 3000
Arten. Somit ist der Pfauenstrauch so etwas wie ein Cousin vom Flammenbaum.
Er kommt aus der Karibik und ist aber mittlerweile auch
weltweit verbreitet. Aber er ist eben ein Strauch mit Wuchshöhen bis 8 m.
Blüten, Blätter und Früchte sind allesamt etwas kleiner als beim „ großen
Flammigen“
Ob wir hier in Hanoi eventuell auch beide Vertreter
bewundern?
Und nun wird es „ganz verrückt“
Auf der Wiki.vn fand ich ein Bild
eines gelbblühenden Flammenbaums in Guadeloupe
Aber da gab es keinerlei Hinweise auf eine spezielle Art oder Unterart.
Wenn man aber weiter googelt, dann findet man unter „Gelber Flammenbaum“ die
Gattung Peltophorum mit der
Art Peltophorum pterocarpum - eben
Gelber Flammenbaum. Er ist auch in tropischen Ländern als Parkpflanze
verbreitet und kultiviert. Das fein gemaserte Holz ist für feine Möbelarbeiten
begehrt.
Und er steht jetzt noch in Hanoi in voller Blüte, als ganz normaler Straßenbaum z.B an der Promenade Ven Ho am West Lake

Die Blätter sind nicht ganz so zart gegliedert ,
wie bei " dem Roten". Und die Fruchtständer
der ersten Blüten sind nicht so lang-
aber schön ist er auch!!!
Und um noch weiter zur Verwirrung beizutragen:
Mit
Namen „Peltophorum dasyrachis“ ( gelber Flammenbaum, vn:
Hoàng linh, Lim vàng ) findet ein weiterer Vertreter
dieses
Tribus Caesalpinieae
Beachtung in einer Datei „Lesser known timper species of Vietnam( weniger
bekannte Holzarten Vietnams)“ die unter Federführung der
giz erstellt
wurde. Die anderen Vertreter der „ Flammenbäume“ werden in dieser Datei nicht
erwähnt.
Es gibt also eine ganze Menge von "Cousins und Großcousins" des Flammenbaums.
Fazit:
Es sollte ein ganz simples Beispiel eines schönen Baumes sein. Aber die Natur
ist eben doch vielgestaltiger und das macht die Beschäftigung mit der Natur
eben auch so spannend.
Lassen
wir uns dadurch nicht verwirren oder gar entmutigen!
Freuen wir uns einfach auf
den nächsten Exkurs….