Montag, 22. August 2011

House hunting

Wir haben ein Problem mit unserem Wohnumfeld. In der Nachbarschaft hat ein Body- building-Studio geöffnet, von dem aus wir teilweise in unerträglicher Lautstärke in einem Mix aus hiphop und Fernseher beschallt werden.  Die bisherige Bauweise wirkt wie ein direkt auf uns gerichteter Schalltrichter, so dass wir fast die einzigen Betroffenen sind.

Wir sind zwar bemüht, das Problem zu lösen. Aber sich nach Alternativen umzuschauen, kann ja nicht schaden.

Also recherchieren wir auf den einschlägigen web-sites und unterziehen uns einiger Besichtigungstouren. Da kann man so allerhand erleben:
-         viele Makler bieten noch Häuser an, die längst nicht mehr verfügbar sind (so entdeckten wir bei einem Makler noch „ unser“ Haus, in dem wir schon seit zwei  Jahren wohnen.)
-         Die meisten Fotos zeigen mehr oder weniger wichtige Details vom Inneren der Häuser, geben aber kaum Informationen zum Umfeld
-         Die Ortsbeschreibungen und Treffpunkte mit den Maklern sind oft genug äußerst irreführend und verraten teilweise, dass der betreffende Makler das Terrain auch nicht kennt oder „ sehr weiträumig denkt“
-         Manchmal muss der  Eigentümer auch erst zum Objekt kommen und im Extremfall bekommt er das Objekt selbst nicht geöffnet, so dass eine Besichtigung ausfallen muss.

Deshalb „ benehmen wir uns wie der Alptraum eines jeden Maklers“:
-         Wir formulieren unsere Ansprüche sehr detailliert
-         Wir möchten die genaue Anschrift des Objektes wissen, damit wir in Ruhe das Umfeld checken können. Wenn dieses nicht stimmt, können wir für alle Beteiligten zeit- und nervenaufreibende Besichtigungen sparen.
-         Wir möchten nicht in Tay Ho und in Ciputra wohnen, wo es die meisten Ausländer  hingezogen hat.

Und was uns da so alles angeboten wird:
-         „ ruhige Wohnlagen“ entpuppen sich als Hinterhöfe an ellenlangen Gassen oder die
       Hinterfront grenzt an einen Busbahnhof
-         teilweise recht geschmackvoll und modern eingerichtete Häuser haben leider zu wenig
      Fenster und einzelne Räume/ Küchen sind wahre Dunkelkammern
-         in manchen Häusern „ springt einen der Schimmel gleich an“, wenn man nur das Haus
betritt.

So kennen wir nun wieder einige Gegenden von Hanoi und viele Häuser mehr, in denen wir nicht wohnen wollen. Frei stehende, luftige Häuser in ruhiger Gegend sind offensichtlich ein
Wunschtraum, der in Hanoi wenig Chancen auf Erfüllung hat.

Uns bleibt höchstwahrscheinlich nur übrig, mit unserem Vermieter zu versuchen, beim Verursacher des Lärms  Baumassnahmen durchzusetzen. Die „ klugen Ratschläge“ der Nachbarn, auf die auch in Vietnam existierenden Gesetze bezüglich Lärm zu pochen, sind kaum dauerhaft wirksam und mindern die Belästigung nur zeit- und teilweise.

Ob wir dafür in der Chua ein paar Räucherstäbchen anzünden sollten?

Donnerstag, 11. August 2011

Nachts auf dem Blumenmarkt



Ein netter Abend mit Freunden. Beim Plausch über  die Erlebnisse des Sommers und das aktuelle Leben in Vietnam vergingen die Stunden rasend schnell. Als wir zum ersten Mal auf die Uhr schauten, zeigten die Zeiger  1:15 Uhr in der Frühe. Zeit, die „ Rosse zu satteln“, d.h. die Mopeds zu starten. In diesen Nachtstunden sind die Straßen in Hanoi relativ leer. Aber trotzdem ist Vorsicht angesagt, denn  einige „ wild gewordene“ Baufahrzeuge drängen uns ein paar Mal gefährlich an den Straßenrand.
Dennoch  lenken wir unser Gefährt nicht auf direktem Wege nach Hause. Wann, wenn nicht jetzt;  bietet sich die Gelegenheit, das nächtliche Treiben auf dem Blumen-Großmarkt zu beobachten. Schließlich fahren wir auf unserem Weg nördlich des West-Lake fast direkt daran vorbei.
Und es ist wirklich „ etwas los“. Das zu Tagzeiten nur halb gefüllte Areal  von ca. 2.000 m² ist dicht belegt. Kleine Transport-LKW  bringen hauptsächlich Rosen, Chrysanthemen, Gerbera und viele andere Blumen und Grünzeug in großen Bunden. Kommen die wirklich aus Dalat, so wie es die Kennzeichnung vorgibt? Das wären doch nahezu 1000 km Transportstrecke.
Wichtig tuende Männer und Frauen  mit großen Handscheinwerfern begutachten  die  ankommende Ware und stapeln sie. Dazwischen  wuseln jede Menge Mopeds.
Teils sind sie hoch bepackt mit ein oder zwei Sorten, d.h. sie bringen auch neue Ware. Teils haben sie aber auch schon verschiedene Arten und Sorten gepackt. Das sind dann die
 „ Distributoren“, die die zahlreichen fliegenden Händlerinnen in allen Stadtteilen beliefern.
Und dann kommen noch jede Menge Mopeds mit Anhängern, hoch beladen mit Lotos-Blüten in Weiß und Rot. Sie kommen sicherlich aus der näheren Umgebung. Ich frage mich nur, wann die Produzenten wohl mit dem Schneiden der Blüten begonnen haben mögen….
Die meisten Menschen sind emsig beschäftigt. Nur wenige Schaulustige oder erste Individualkäufer werden kaum beachtet. Und wir sind wohl um diese Zeit die einzigen
 „ Langnasen“, sprich Ausländer.

Dieses Treiben macht natürlich auch hungrig und durstig. Also ist es kaum verwunderlich, dass sich am Außenrand des Geländes zahlreiche Stände etabliert `haben, an denen im
„ anheimeligen Schein“  von Energiesparlampen Getränke, Snacks und Rauchzeug und sonst etwas angeboten werden.

Bepackt mit Lotos und langstieligen Rosen ( im Gegenwert von 3,50 €) verlassen wir dann diese betriebsame Stätte. Schade nur , dass ich keinen Fotoapparat mit hatte….

Donnerstag, 4. August 2011

Der Urlaub in Deutschland……

 ……liegt nun schon wieder hinter uns.

6 Wochen mögen eine lange Zeit zu sein, für uns waren sie doch wiederum viel zu kurz.

Ein Resumee:

Wir haben all unsere Kinder und Enkel gesehen und mit Ihnen mindestens jeweils 2 halbe Tage verbracht.
Die Oma hat unsere Anwesenheit lange und ausführlich genossen.
Die Treffen mit unseren Freunden waren in „ weiterreichende Aktivitäten“ eingebunden, so dass das Individuelle etwas zu kurz kam.

Nun schon der 2. Gartenhelfer hatte nicht richtig „ gespurt“ und so artete das ersehnte Hobby Gartenarbeit in der ersten Woche  zu einen Vollzeit-Job aus. Außerdem lernten wir dabei wiederum recht eigenartige Gegebenheiten des Arbeitsmarktes in Deutschland kennen. Teilweise kann es bequemer zu sein, Geld durch Nichtstun zu bekommen, als dafür zu arbeiten.
Auch sonst hat man so allerhand Gelegenheiten, mit den Fallstricken der „ Servicewüste Deutschland“ zu kämpfen  (Finanzamt,  Telekom, Tchibo mobil, Bußgeldstelle, Versicherungen, Banken)
Vera hatte natürlich nicht annähernd genügend Zeit zum Einkaufen, „ es gab nichts vernünftiges“ und dennoch kann sie sich wieder mit zahlreichen neuen Bekleidungsstücken  schmücken.
Arztbesuche für Routine-Checks und Einkäufe der Vorräte für die nächsten Wochen verschlangen auch genügend Zeit.
Aber wir haben es sogar geschafft, einige Restarbeiten am Haus zu erledigen ( Isolation des Spitzbodens).

Und konnten auch einiges touristisches Neuland in Deutschland betreten:
-         ein kurzer Einblick in den derzeit größten Braunkohlen –Tagebau Garzweiler   war sehr interessant

-         Im Schwarzwald tauchten wir ein in die Welt der Kuckucks- Uhren 
 und besichtigten die größte Kuckucks –Uhr der Welt . 









                                      Sie ist sogar begehbar


Natürlich statteten wir auch Deutschlands
höchstem Wasserfall in Triberg einen Besuch ab
















         und ließen uns von den Tannenwäldern     beeindrucken



 -         Im Apollo- Theater in Stuttgart ließen wir uns im Musical fast nach New York entführen
-         Die fürstbischöfliche Residenz in Würzburg  begeisterte uns mit ihrer Pracht


 
Der Besuch in der malerischen Kleinstadt Bad Langensalza ergänzte Bekanntes mit neunen Eindrücken
( Innenstadt und das sehr interessante und ansprechend gestaltete Nationalpark- Museum). Und der Baumwipfelpfad  im Hainich- Nationalpark demonstrierte selbst mit seinen Neuerungen ( den Seilgängen) die deutsche Solidität und Gründlichkeit.

 Welch ein Kontrast zum Canopy walk  im NP Taman Negara in Malaysia
( für Interessierte sei noch mal auf meinen Blog vom April 2011 verwiesen).

Aber eines ist unbestritten:
Wandern kann man in Deutschland wunderbar- egal, ob im Schwarzwald, im Hainich oder im Erfurter Steigerwald. Wenn man nur 5 min. vom touristischen  Geschehen entfernt ist, begegnet man kaum noch Menschen  und die Luft ist angenehm frisch.

Und letztlich: Mit Sommerwetter hatte das die ganze Zeit kaum etwas zu tun, so dass die Terrassenmöbel gar nicht erst herausgeräumt wurden.

Wieder in Hanoi angekommen, wurde uns spätestens nach 200 m im Auto vom Flughafen weg sehr deutlich gezeigt, was wir in Deutschland  „ so stark vermisst hatten“:
Das ständige Gehupe und der quirlige Verkehr…….