Das kennen wir doch noch von früher: Die Wahl als gesamtgesellschaftlicher Höhepunkt- zumindest in der offiziellen Propaganda.
Schon Wochen vorher orientierten Banner an Bümen und Masten sowie Losungen auf den Wahltag.
Die Regionalbüros stimmten die Bürger auf die Wahlbeteiligung ein. Selbst ein ziemlich heruntergekommener Wohnblock prangte im Fahnenschmuck.
In den Tagen unmittelbar zuvor kamen dann noch Korsos von Fahnenträgern und Lautsprecherwagen hinzu.
Die ganze Stadt vermittelte irgendwie einen geschmückten Eindruck ( freilich nicht so toll, wie zur 1000-Jahr-Feier) und selbst die Natur schien sich mit eingeordnet zu haben. Die„ Königinblume“ begannen in den zahlreichen Straßenbäumen ihr Blütenfeuerwerk im leuchtenden Blau, in das sich mancherorts das rot-orange der Blüten des Flammenbaumes mischte.
Und über allem spannte sich ein strahlend blauer Himmel.
Die Wahllokale waren zumeist in den Gemeindehäusern untergebracht und verbanden mit Ihrem dezentenWahlschmuck Tradition und Modernes ( hier ein Beispiel des Wahlbüros in Bat Trang)
Der große Unterschied zu unseren Erinnerungen an frühere Zeiten:
Es konnte richtig gewählt werden.
Jeder Bürger über 18 Jahre hatte je eine Stimme für die Wahl der Nationalversammlung, der Provinzversammlungen und die Volkskomitees der Distrikte und Kommunen. Dafür konnte er aus Kandidaten-Listen auswählen . Für die 500 Sitze der Nationalversammlung kandidieren z.B. 827 Bewerber; für die 30 Parlamentssitze aus der Region Hanoi 50 Bewerber.
Natürlich sollte jeder Wahlberechtigte selbst sein Wahlrecht ausüben. Aber, so erklärte uns augenzwinkernd ein deutschsprechender, vietnamesischer Wahlhelfer in einem Wahllokal, es kommt schon mal vor, dass ein Vertreter einer Familie mit den gesamten Wahlberechtigungsscheinen einer Familie ins Wahlbüro kommt und dort für die gesamte Familie abstimmt. „ Das ist zwar nicht ganz korrekt, aber es wird akzeptiert“.
In einem Wahllokal, das wir besuchten, herrschte gegen 11Uhr ruhige, feierliche Stimmung.
Vor dem Eingang waren noch mal die Kandidaten-Listen für diesen Stimmbezirk mit Lichtbild und Lebenslauf ausgehängt.
Vor dem Eingang kontrollierten zwei Wahlhelfer die Berechtigungsscheine ( Eine Kontrolle von Personaldokumenten habe ich nicht beobachtet).
Per Lautsprecher wurden sie dann mit ihrer Nummer ins Wahllokal gebeten und erhielten dort die Wahlscheine. An seitlich abgegrenzt, aber nach hinten offenen und demzufolge einsehbaren Bearbeitungspulten ( analog von Bearbeitungsschaltern bei Banken odgl.)
( im Hintergrund im Raum zu sehen) konnten sie dann ihr Stimmrecht vollziehen und danach die Scheine, gefaltet oder offen, in zwei separate Urnen werfen.
Und damit war dann alles erledigt…..
PS: ich wollte eigentlich gern noch die Wahlbeteiligung als offizielles Ergebnis anfügen, aber diese Zahlen waren mir bis heute nicht zugänglich.
