Über unsere Maklerin Hong erhielten wir eine „vorsichtige und diplomatische“ Anfrage von unserem Vermieter, ob es möglich wäre, uns zur Hochzeit seines Sohnes einzuladen. Für Hong war das auch ungewöhnlich, denn solch engere Beziehungen zwischen Vermietern und Mietern hatte sie wohl offensichtlich auch noch nicht. Vielleicht findet uns der Vermieter, Herr Tung, besonders nett, oder es hebt sein Renomee, Ausländer auf der Party zu haben, oder beides, oder sonstige Gründe....
Jedenfalls erhielten wir eine Einladung für den 20.1. um 9:30 Uhr in das Haus des Bräutigam- Vaters und für 11 Uhr zur Party ins Restaurant.
Die Frage des passenden Geschenkes war schnell geklärt. Hier ist es üblich, das die Gäste in einem Umschlag ( mit der Glückwunschkarte??) Geld in eine extra am Eingang postierten Box einwerfen. Die Höhe – ungefähr die Kosten für die Party- also 150..... 200.000 VND- also „ein Null- Summen- Spiel“. Von „ längerdienenden CIM-lern“ wurden wir aber beraten, dass die Ausländer „ etwas mehr in US-$“ geben sollten. Wir gaben „ etwas, etwas mehr!!!“- schließlich ist es ja unserer Vermieter!!
Von Hong erfuhren wir dann noch, dass sie auch eingeladen sei ( damit war wenigstens auch die Frage der Kommunikation geklärt) , dass die Zeit für den ersten Treff nicht ganz so genau genommen werden sollte .
Glücklicherweise lagen beide Treffpunkte nicht weit von unserem Haus entfernt und so fuhren wir, natürlich mit Moped (!!!) dahin.
Das Haus des Bräutigam- Vaters war festlich geschmückt mit Luftballons und Girlanden und überall lag Konfetti bzw. bunte Schnipsel- das bringt Glück . Hier sammelte sich ein Teil der Hochzeitsgesellschaft und wurde mit Tee und Snacks bewirtet. - Von anderen Partys wurde uns berichtet, dass es bei diesem Treffen eigentlich schon „ richtig zur Sache gehe“ mit Reisschnaps und Bier- aber unser Herr Tung ist absoluter Anti- Alkoholiger ( so etwas gibt es in Vietnam auch!!!) – und so kam auch während der ganze Party kein Schnaps auf den Tisch!!!!
Hier erfuhren wir auch etwas mehr über das Brautpaar. Beide arbeiten schon längere Zeit in Neuseeland im Hotelgewerbe und waren nur zur Hochzeit nach Vietnam gekommen. Die Braut stammt aus Ho Chinh Minh-City , wo auch in den Vortagen schon eine gleichartige Party stattgefunden hatte. Nach Hanoi waren nur die aller engsten Verwandten der Braut angereist.
Und dann ging`s ( relativ ungeordnet) zur eigentlichen Party.
Am Eingang des Festsaales stand das Brautpaar und die Eltern - nahmen die Glückwünsche der Gäste entgegen und „ überwachten, dass auch jeder seinen Umschlag einsteckte???“
Im Saal fanden sich ca. 300 Gäste ein – darunter auch wir, Hong und ihre Kollegin ( mit denen wir dann auch gleich english- vietnamesische Sprachkurse fortsetzten) sowie zwei Herren, die in Deutschland studiert oder gearbeitet hatten).
Ja und dann begann die Show:
Eine Moderatorin bat die Eltern des Brautpaares auf die Bühne.
Untermalt von klassischer Musik ( u.a. Carmina Burana) geleitete ein „ Kinderpaar“ das Brautpaar und eine Ehrengarde in den Saal und auf die Bühne.
Dort hielt Herr Tung eine kurze Festrede
und danach begann die Zeremonie des Ringetausches. Diese schwebten jeweils vom Himmel herab....Erst für den Bräutigam und dann für die Braut...
Anschneiden der Torte
folgten Schlag auf Schlag und Feuerwerksfontänen beendeten den ganzen Bühnenauftritt.
Zwischenzeitlich hatten sich die Tische mit allerlei Köstlichkeiten gefüllt, denen auch kräftig zugesprochen wurde.
Das Brautpaar ( die Braut inzwischen umgezogen) und die Eltern kamen an jeden Tisch, um
„ Artigkeiten und gute Wünsche auszutauschen“
An unserem Tisch war es recht lustig- wir lernten vietnamesische Wünsche für das Brautpaar und erzählten von den Hochzeitsfeiern und –bräuchen in Deutschland.
Ja und wie auf Kommando standen dann die Besatzungen einzelner Tische auf und verließen den Saal- wir gehörten natürlich zu den letzten- „ and the party was over“
Fazit: andere Länder- andere Sitten, die aber durchaus auch lustig und angenehm sein können!!!