Donnerstag, 29. März 2012

Zuchterfolge


Orchideen sind hier zu Land ja fast „ Allerwelt`s Blumen“. Aber dennoch bin ich etwas stolz, einige von Ihnen wieder zum Blühen bewegt zu haben.

Diese hatten wir im Frühjahr 2010 , mit einer Rispe blühend gekauft. Nach einem Jahr Ruhepause  hat sie sich nun zu dieser Pracht emporgeschwungen.




Dieses Exemplar kam blühend im Herbst 2010 zu uns .

( im Hintergrund sieht man obiges Exemplar in der Ruhephase)

Und schon im nächsten Jahr, im Herbst 2011 erfreute sie uns wieder mit Ihrer Blütenpracht.














 Hauptsächlich nach der Blühsaison kann man hier massenweise Orchideenpflanzen ohne Blüten kaufen. Bei einigen gelingt es dann auch, diese zu neuem Leben und neuer Blüte zu erwecken.
Diese hatte ich einfach an den Stamm der Areca-Palme gebunden.


 Und sie hat diesen eher ungewöhnlichen Standort angenommen und es uns mit reichem Blütenflor gedankt.


( Wenn mir jetzt noch einer die Namen für diese Kunstwerke der Natur sagen könnte, wäre ich natürlich begeistert!!)

Montag, 26. März 2012

Inflation 100% beim Friseur


Über die Inflation hier in diesem Land wird ja öfters an verschiedenen Stellen geschrieben. Wir spüren dies natürlich auch im täglichen Leben - ob an der Tankstelle oder auf dem Markt.

Heute war wieder mal Friseur angesetzt. Wohlgemerkt, nicht bei dem am Straßenbaum ( siehe „ Berufsbilder“). Ein junger Mann hatte sich vor fast zwei Jahren in unserer Straße einen sehr einfachen „ Salon“ eingerichtet.  Und in dieser Zeitspanne stieg  der Preis für einen simplen Trockenhaarschnitt um 100 % !!!!!  ( Von 20.000 VND über 30.00 VND im Herbst vorigen Jahres auf heute 40.000).

Da verlief doch die Preisentwicklung für das Moped waschen von 15.000 auf 20.000 noch moderat, oder?

Noch eine Beobachtung beim Friseur:
Während meiner „ Behandlung“ war die Frau des Maestro damit beschäftigt, bei einem Vietnamesen mittleren Alters die grauen Haare auszuzupfen. Das dauerte wesentlich länger als mein Haarschnitt.
Bei Frauen sieht man das ja öfters hier; auch in der Altstadt vor den Geschäften. Aber das auch eitle „Herren der Schöpfung“ sich solcher Prozeduren unterziehen- das hatte ich noch nicht beobachtet. Es wäre interessant zu wissen, bei welchem Alter der „ break even“ einsetzt, d.h. wann mehr graue Haare herauszureißen wären als dunkle auf dem Kopf verblieben.
Bei mir wäre der Kopf nach eine solchen Prozedur kahl ….

Die friedfertigen Vietnamesen…


Sonnabend Vormittag, gegen 11 Uhr. Blumenmarkt. Das Hauptgeschäft ist schon vorüber. Nur die Dauerstände an der Ostecke sind noch besetzt.
Von einem der Stände tönen uns laute Wortfetzen entgegen.
Vor dem Stand steht eine junge Frau. Ihr Outfit unterscheidet sie deutlich von den Verkäuferinnen hinter dem Stand. Sie scheint die Betreiberin des gegenüber liegenden Standes zu sein, an dem Körbe und floristische Accessoires angeboten werden.
Lautstark  und ausdrucksvoll gestikulierend „ beharkt“ sie sich mit einer noch jüngeren Blumenverkäuferin. Mehrere ältere Frauen und auch einige Männer stehen beobachtend drum herum.
Die Intensität des „ Gespräches“ steigert sich und die Akteure lassen sich auch durch einen interessiert und belustigt zuschauenden „ Ong Tay“ nicht stören. Und plötzlich sind beide Streithähne „ bewaffnet“. Mit einem Rutenbündel die eine und einem Blumenbündel die andere- so schlagen sie aufeinander ein.

Das wird selbst den ZuschauerInnen  zuviel. Beruhigend und konsequent trennen die älteren Damen die Kampfhähne und führen die Angreiferin aus der „ Arena“.
Was mag wohl der Anlass für diese emotionale Entgleisung gewesen sein?

Auf dem weiteren Einkaufsweg passieren wir auch einen der Müllkarren, auf dem sich schon Berge von Blumenresten türmen. Eine der „Damen vom Besengeschwader“ ist so aktiv, dass sie den feuchten Kehricht in hohem Bogen in Richtung des Karren befördert. Aber mit ihrer Treffgenauigkeit war es nicht so weit her und ich konnte nicht rechtzeitig ausweichen. Deshalb durfte meine Jacke anschließend gleich in die Waschmaschine.

Soweit zum Thema: Die Vietnamesen sind freundlich, zurückhaltend und rücksichtsvoll…..

Donnerstag, 22. März 2012

Psychologie des Hupens


Man sitzt in Nobai im Taxi- gerade zurück gekommen nach Hanoi von „ Wer weiß wo her“.
Und bevor das Taxi das Flughafengelände verlassen hat, wird einem wieder bewusst, was man im Ausland so „ schmerzlich vermisst“ hat- das permanente Hupkonzert.

Wenn man das alles etwas beobachtet und analysiert, dann fällt einem auf, das „Hupen noch lange nicht gleich Hupen“ ist. Mehr noch: Man findet sogar bestimmte Typen heraus:

Bei den Mopedfahrern:

Der Vollbepackte – „He Leute, ihr seht doch, dass ich mein Moped kaum beherrschen kann- also macht mir bitte Platz“

Der jungendliche Raser- meist ohne Helm, mit oder ohne Sozius/ Sozia, „ slalom`t“ in einem „ Affenzahn“ durch das Verkehrsgewühl

Der Angeber- „ Seht her- ich bin der Schönste!!“

Der Eilige- bepackt mit einer Gasflasche oder Pizza- Auslieferungscontainer-  „ Macht Platz! Meine Kunden können keine Minute länger warten!“

Der „ zivile“ Eilige- mit Akten- oder Computertasche- „Ich muss schnell nach Hause. Meine Familie wartet schon auf mich“   oder  „ Meine Frau ist allein zu Hause. Wer weiß, was die alles anstellt…“

Der Zornige- „ Pass doch auf- jetzt musste ich wegen dir bremsen!“

Der Vorsorgliche: „Ich fahre hinter dir, mach dir keine Sorgen, ich habe dich gesehen und werde gut auf dich achten und dich nicht an- oder umfahren, mach aber bitte keine unkontrollierten Schlenker, bis ich an dir vorbei bin-dann ist alles gut.“
(Diese Interpretation habe ich von Heikes Sohn übernommen- vielen Dank dafür!)

Der „ Blödmann“ – steht im Stau in der fünften Reihe und hupt

Die Ängstliche- steigt aufs Moped und hupt schon, bevor sie vorsichtig das Grundstück verlässt


Bei den Autofahrern:

 Der Ängstliche – „ich habe keinen Führerschein und das Auto gehört mir nicht- bitte macht keine Kratzer an den Lack!“

Der mit dem angewachsenen Finger- Beim ersten Griff an das Lenkrad scheint der Finger am Hupenknopf anzuwachsen

Der „Lockführer“ - Als Nachweis, dass er nicht eingeschlafen ist,  muss er regelmäßig die Hupe betätigen ( so wie in früheren Zeiten die Lockführer den „ Tote-Mann- Knopf“)
   
All diese Typen kommen in beiden Geschlechtern vor.

Und wenn man selbst auf dem Moped im dicken Gewühl steckt, dann entwickelt  man in sich selbst schon ab und an die eine oder andere „Spielart“

Schön ist es aber, wenn man in seinem Refugium sitzt und den ganzen Lärm nur noch als  „ferne Oberwelle“   wahr nimmt.

Montag, 19. März 2012

Außergewöhnliche Berufs(bilder)


Hier in Vietnam entdecken wir immer wieder Berufstände, die wir in Deutschland überhaupt nicht oder in dieser Form nicht kennen:

„Kohlenmunk“

nein, hier ist nicht der Peter Munk gemeint, den wir aus Wilhelm Hauff`s „ Kaltem Herz“ kennen.
Dieser Berufsstand hier ( hauptsächlich Männer, aber ich habe auch schon vereinzelt Frauen gesehen) bringt zu den vietnamesischen Haushalten die Kohlen-Schamotte –Steine,





mit denen diese ihre Schamotte-Öfchen heizen, um Ihre Mahlzeiten zu bereiten.







Schuhputzer

Diesen Beruf kennen wir ja aus verschiedenen Urlaubsländern. Und auch in Frankfurt auf dem Hauptbahnhof hatte ich vor Jahren einen beobachtet, der auf einen teilstationären Stand nahezu thronte ( ein Türke??) und seine Dienst anbot.
Auch hier ziehen  ausschließlich Männer mit ihrer Minimal-Ausrüstung durch die Straßen –in der Altstadt von Hanoi können sie z.T sogar ganz schön lästig werden.
Sie kommen aber auch ins Haus, um dann vor Ort den familiären Schuhbestand  zu pflegen. Der Hausherr oder die Hausfrau hockt dann zu einem Schwätzchen daneben .

Straßenfriseure

sind schon fast  aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Ob – wie hier- an einem Baum oder an einer Mauer ( u.a. auch an der Ostseite des Literaturtempels) – sie haben offensichtlich ihre Stammplätze und sicherlich/ vielleicht auch ein Stammpublikum .
Und das Geschäft „ boomt“…

Mobile StraßenverkäuferInnen

Sie ziehen Tag für Tag durch mit ihren Lasten die Straßen..
Das Bild der Frau mit der Tragestange und den zwei Bambuskörben hat doch sicher jeder Vietnam-Reisende in seinem Speicher.
 Sie ( hauptsächlich Frauen , seltener Männer)  kommen aber auch mit dem Fahrrad oder Karren daher und bieten allerhand „ Hauskram“ feil.



Mittwoch, 7. März 2012

Private Zeremonie der Ahnenverehrung


Heute Morgen. Fremdes Stimmengewirr  höre ich aus dem Chua- Garten- nicht das übliche Palaver der „ Chua-Weiber“ bei der Gartenarbeit. Ein „ Ong“ wird begrüßt….
Ein Paar im „besten Alter“, ein jüngerer Mann und eben der Großvater- groß, rüstig mit strahlend weißem, kurzgeschnittenen Haar sind dabei, viele Utensilien für eine private Zeremonie der Ahnenverehrung auszubreiten:

Zwei Papierpferde, ein Strauß rote Rosen, eine großer Blechschale mit allerlei Früchten und
-tatsächlich- einem gebratenem Huhn, Wasserflaschen  und allerhand sonstiges Papierzeug werden kunstvoll drapiert. Und jede Meng Räucherstäbchen werden im Umfeld eingesteckt.

Dann hockt sich der Familienvater (?) auf eine Plastikfolie nieder. Natürlich hat er die Schuhe ausgezogen. Er erstattet den Ahnen lautstark Bericht, nachdem er sich vorher einige Stichpunkte auf einem Zettel notiert hatte. Offensichtlich hat er viel zu erzählen. Ich kann ab und zu die Straßennamen wie „ Vong Thi“, Hai Ba Trung“ und auch „ Tay Ho“ herausfiltern.
Während dieser Rede bekommt der jüngere von seiner Mutter(?)  Geldscheine  übergeben, die er auf diesem „ Altar“ platziert. Ich erkenne mehrere der grünen 100.000 VND –Scheine.
 Und sonst verharren die anderen drei in erfurchtsvoller Gebetshaltung

Nach Beendigung der  Rede und nachdem die Räucherstabchen niedergebrannt sind, wird das gesamte Papierzeug auf dem üblichen “ Zündelplatz“ verbrannt. 
Und so  steigt diesmal nicht nur der Qualm von verbranntem Laub und Kräuterich auf, sondern zu meinem Leidwesen fliegen auch Papierfetzen durch die Luft- Was soll man dagegen tun…….

Glücklicherweise ist bald alles verbrannt und die übrig gebliebenen Lebensmittel  und sicherlich auch das Geld werden wieder eingesammelt und die „Gesellschaft“ entschwindet wieder.
Zurück bleiben  der Rosenstrauß mit einem Kerzenlämpchen und ein neuer Aschehaufen.

Die Leute und ihre Ahnen werden mir hoffentlich mein „Paparazzi-Gehabe“ verzeihen. Schließlich musste ich ja auch in unserem Hof wieder die Flugasche beseitigen.

Dienstag, 6. März 2012

Warme feuchte Luft trifft kalte Oberfläche


Ein weiterer Beitrag aus der Serie: Tücken des Alltags


Was bei der Titel-Konstellation passiert, wissen wir ja alle noch aus dem Physikunterricht, oder?
Aber selbst nach fast drei Jahren Vietnamerfahrung habe ich mir nicht träumen lassen, zu welchen, fast dramatischen Entwicklungen das hier in Hanoi führen kann:
Gestern Nachmittag hatte die Sonne den Kampf mit den Wolken scheinbar gewonnen und die Außentemperatur stieg auf 25 Grad. Also wollte ich nicht nur Licht, sondern auch Wärme  ins Haus lassen und öffnete viele Fenster und Türen.
Und es kam, wie es kommen musste…. Die warme Luft brachte noch genügend Feuchtigkeit mit und binnen kurzer Zeit kletterte das Hygrometer in der Küche auf 100 % relative Luftfeuchte. Auf dem kalten Fliesenboden bildete sich eine regelrechte Wasserfilm - Rutschbahn und auch die unteren Wandabschnitte glänzten feucht.
Da hatte ich alle Hände voll zu tun, um mit  trockenen Tüchern, Ventilatoren,  Heizstrahlern und Luftentfeuchtern diese „ Schweinerei“ wieder zu beseitigen. Das gelang mir dann in groben Zügen bis in die Abendstunden. Aber selbst heute sitzt die Feuchtigkeit noch in den Ecken in den Badräumen.

Heute erhielt ich dann auch die praktische vietnamesische Belehrung, dass man vor Frühlingsanfang die Fenster und Türen nicht zu weit und lange öffnen solle. Nun weiß ich es auch!!!
Und wir müssen jetzt höllisch aufpassen, dass wir uns zukünftig nicht über zusätzliche graue Kleidungsstücke und Schuhe wundern müssen.

Lasst Licht ins Haus !


In dem Bestreben, möglichst viel von den derzeitig recht spärlich in Hanoi angebotenen Lichteinheiten ins Haus zu lassen, kamen wir auf die Idee, die Fensterläden an den Oberlichtfenstern zu öffnen.






 Das hatten wir bisher noch nie getan, denn im Sommer bieten diese ja auch einigen Schutz vor der dann grellen Sonne. Eigentlich sind diese Oberlichter
unnötiger „ architektonischer Schnick-Schnack“

Bei der Umsetzung kamen wir dann sehr schnell an die Grenzen, die durch die
„ hervorragende vietnamesische Bauplanung und – ausführung“ gesetzt werden.

Als erstes ließen sich die Fenster und Läden schwer öffnen, weil aufgrund  „exakter Passgenauigkeit“  wir die Verriegelungen teilweise nur  mit Hammer und Zange  betätigen konnten. Als dies geschafft war, kam das nächste, permanente Hindernis:
Über den Festern  wurden zum Zwecke des Licht- und Regenschutzes für die Fenster kleine Vordächer angebracht. Zum Teil schon beim Neubau, teilweise nachträglich. Und genau an den Halterungen dieser Dächer stoßen nun die zu öffnenden Fensterläden an und lassen sich deshalb nur zur Hälfte öffnen.

Warum kamen uns bei dieser Gelegenheit bloß schon wieder die „ bösen Gedanken“,  dass es vielen Vietnamesen schwer fällt, bestimmte Problemsituationen bis zum Ende zu durchdenken????

Freitag, 2. März 2012

Entsorgung der Tet-Bäume



Über den Verkauf und Transport der Tet-Bäume ist ja schon genug berichtet worden. Doch was wird mit den blühenden und fruchtenden Schönheiten nach dem Fest aller Feste?
In Deutschland vergibt die Stadtreinigung Termine, wann die Weihnachtsbäume entsorgt werden. Und in Schweden ist es wohl ähnlich. Zumindest kann ich mich noch an eine alte IKEA-Werbung erinnern, bei der auch alle Weihnachtsbäume in hohen Bögen auf die Straße geworfen wurden.

Und in Vietnam?
In den letzten Jahren hatten wir mehrfach beobachtet, dass auch nach dem Tet  Mopeds und Transporter mit Bäumchen durch die Gegend sausten. Sicherlich fuhren die wieder in die Gärtnereien zurück, um wieder für das nächste Fest vorbereitet zu werden. Vielleicht kann man sogar solche Bäume für die Festtage leasen?

Nicht wenige der Bäumchen, noch mit den orangenen Früchten, lagen aber  dann auch achtlos am Straßenrand und warteten auf die Müllkarren- begleitet von vielen  der abgeschnittenen und nun verblühten  „ Leidensgenossen“. Und nur wenigen gelang es, wenigsten für einen Tag noch als Zierde eines solchen Karrens etwas Freude zu verbreiten.

Nun lernten wir aber noch eine weitere Variante kennen:
Dieser Tage kam turnusgemäß unser Vermieter, um sein Geld  „ einzutreiben“.  Ohne weitere Worte lud er aus seinem Auto einen größere Schale mit einem der gelb blühenden, bonsaiartigen Gewächse und stellte sie in unseren Hofgarten. Natürlich freuten wir uns darüber und werteten dies als verspätetes Tet-Geschenk.  Erst am nächsten Tag im Hellen bemerkten wir, dass die Blütenpracht nun doch schon länger vergangen war und nur noch spärliche Blütenreste die kahlen Äste „ zierten“.
Da fiel mir ein, dass ja schon 2 Jahre zuvor einer unserer Freunde auch nach Tet eine solche
„ Ruine“ in seinem Grundstück gefunden hatte. Ist das eine spezielle Vermieter-Variante der Entsorgung?
Nun ja, wir haben das „Pflegekind“ angenommen und werden unser Bestes tun, damit es im nächsten Jahr auch wieder blüht. Ob der Vermieter es dann wieder zurück haben will?