Dienstag, 1. November 2011

Partymeile Ven Ho


 
Die Promenade Ven Ho zieht sich über 6 km am Südufer des West Lake hin. Noch im Herbst 2009 war dies ein relativ ruhiges „ Sträßchen“, auf der ich noch in Ruhe meine ersten Eingewöhnungsrunden auf dem Moped drehen konnte. Nachdem aber ungefähr in der Mitte der Ven Ho eine Durchgangsstraße  zur Van Cao geschaffen wurde, wälzt sich ein großer Anteil des Durchgangsverkehrs über die oft genug nur 6 m breite „Verkehrsader“ Wenn sich dieser nur auf die Mopeds beschränken würde , wäre das ja alles noch zu ertragen, Aber bei der drastisch angestiegenen Anzahl von PKW führt nahezu jedes kleine Verkehrshindernis – und wenn es nur ein anhaltendes Moped sein sollte- zu mehr oder weniger andauernden Stau.

Und dennoch hat sich diese Straße  auch noch zu einem „ gastronomischen Höhepunkt Hanois fürInsider“ entwickelt- zumindest der Anzahl der Cafes, Restaurants, Bia Hoi´s  und Hotels nach.

Aus dem Park  an der Einmündung des Truc Bac –Dammes, in dem man abends auch ab und an open air das Tanzbein schwingen kann, kommt der Fußgänger oder „ hanoiisierte  Mopedfahrer“ in den „Hafen“ mit den Liegeplätzen der Restaurantschiffe- erstes Kneipen-High light.


Dann folgt ein etwas ruhigerer Abschnitt am CoCo- Village – romantisches Liebesareal unter Palmen .

Ab der ersten Einmündung von der Tuy Khue geht es dann eigentlich fast „Schlag auf Schlag“:
Kleine und kleinste Cafes und Restaurants bewirten auch die Gäste in den kleinen Parkanlagen unmittelbar am Ufer,
aus einigen Etablissiments dröhnen „ Heiße Klänge aus der Retorte und teilweise auch live“,
vor denen auch zahlreiche junge Männer den fließenden Verkehr zum Verweilen animieren wollen,
über einigen Grills  stehen duftende Rauchwolken
aus den Bia Hoi`s quillt  unendlicher Kneipenlärm- eines ist auch auf Hund spezialisiert, denn oft genug 
( nicht nur den Regeln entsprechend in der richtigen Mondphase) bruzzelt ein Hund am Spieß.

Danach wird es für ein kurzes Stück etwas ruhiger, bevor man den 
„ ultimativen Straßenparty-Hammer“  erreicht:
Auf dem maximal 2 m breitem Streifen zwischen Straße und Uferbefestigung werden bei schönem Wetter nummerierte  Bastmatten ausgelegt. Darauf lässt sich jung und alt zu ebener Erde nieder . 
Nicht ohne vorher die Schuhe fein säuberlich am Straßenrand abgestellt zu haben. 


Und man verköstigt Unmengen an Säften, Bier und sonstigen Getränken sowie Muscheln, Schnecken
( die u.a. am Tage vorher im West Lake gesammelt worden waren- lecker, lecker !!??) und sonstige Snaks. 






Und fast sprichwörtlich hautnah fließt der Verkehr, 

 durch den sich auch noch die Bedienkräfte  von den Tresen auf der gegenüberliegenden Straßenseite
„ hindurchwuseln“ .
In „ der gehobenen Klasse“ stehen sogar noch kleine Bambustischchen auf den Matten.


Im Straßenverkehr „schwimmen“ dann ab und an noch die Fahrradverkäufer mit den lustigen Luftballons und ihrer „ Lambada“- Erkennungsmelodie sowie die Verkäufer der leckeren„ Reisdumplings“ . Und ab und zu kommt dann auch noch die mobile Karaoke-Box, d.h. Mikro mit Verstärker und Lautsprecher auf Rädern , zum Einsatz.
Und als „besonderer Leckerbissen“ für die letzten Plätze am Rande werden keine 15 m entfernt die Müllcontainer in das Müllauto gekippt.
Nun ja, wem`s gefällt!!??

Wir sind jedes Mal froh, wenn wir diesen „ illustren Abschnitt“ unseres Heimweges passiert haben und in unser Refugium eingebogen sind. Dort können wir in aller Ruhe auf der Terrasse sitzen. Keine 200 m Luftlinie entfernt,  aber die Chua mit ihren hohen Bäumen dämpft den Lärm und die Gerüche sehr angenehm und so hören wir nur noch einen unterschwelligen Geräuschpegel und haben frische Luft.


Die Fischer vom Ho Tay


Sie sind aus dem Stadtbild rund um den West Lake nicht weg zu denken!
Tag aus –Tag ein, bei Wind und Wetter
( siehe auch mein Post  http://abenteuervietnam-glohse.blogspot.com/2011/01/winter-in-hanoi.html ) oder brütender Hitze sind sie emsig am Werke rund um den ganzen See.

Sie stehen oder sitzen am Ufer, sie stehen im Wasser auf ihren Podesten oder laufen oder schwimmen sogar in der „ Brühe“, um ihre Netze und Reusen auszulegen oder einzuholen, oder mMuscheln und Schnecken zu sammeln


 Und ganz Pfiffige fahren sogar auf einem „ Schwimmgerät aus Styropor“ ( siehe Heikes Blog  
Ihre Ausrüstung reicht von professionellen Teleskopangeln bis zu einfach aufgewickelten Angelschnüren, mit denen sie ihre Köder durchs Wasser ziehen. Dann vollziehen sie kunstvolle Schwünge mit der Bambusstange und als Passant muss man Obacht geben, dass man nicht gerade in den Schwungradius gerät.
Oder die Angelschnüre liegen stationär am Ufer- manchmal mit einer Blechdose o.ä. gekennzeichnet- aber oft genug auch als Stolperfalle für die unachtsamen Fußgänger.
( Ich bin kein Angler und kann mich deshalb nicht qualifizierter über Ausrüstungen und Fangmethoden  äußern).

Oftmals scharen sie ihre „ Fangemeinde“ oder potentielle Käufer oder auch nur interessierte Zuschauer um sich.  Der Fang wirdstolz präsentiert
 
 gleich vor Ort vermarktet oder nach Hause getragen.


Aber eigentlich ist ihr Tun mehr oder weniger illegal. Der See wird von einer  Fischereigesellschaft ( ein Teilbetrieb der Stadtwirtschaft??) bewirtschaftet. Diese setzt Jungfische aus  und betreibt den Fischfang professionell mit Booten und Netzen.
Deshalb bezeichnet Dien, unser vietnamesischer Bekannter vom Dorffest, diese  „ Hobbyangler“ als Diebe!

Am Stützpunkt der Gesellschaft im Nord- West- Zipfel des Sees kann man beobachten, welche Mengen an Fischen da angelandet, sortiert, gewogen und in Wasserbehältern abtransportiert werden.


Gleichwohl- egal ob der Fisch aus einem Netz oder von einer Angel kommt- bei der Wasserqualität des Sees, in dem sich oft genug an den Rändern Mengen an Unrat und toter Fische ansammeln, möchte ich eigentlich keinen der Fische mehr zu mir nehmen.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Erkundung am Ho Tay und Truc Bach

Da ja in den letzten Tagen das Mopedfahren eingeschränkt war, unternahmen wir am Sonntag wieder mal einen längeren Fußmarsch- das Wetter lud dazu ein. Und dabei kann man auch einiges Interessanten entdecken:
 An der Promenade  am Südufer des Ho Tay erweckte dieses Haus unser Aufmerksamkeit:





Was mag zu dieser Namensgebung  (Libra = Waage) geführt haben? War dies früher ein Handelshaus der Fischer am See? Oder wollte ein Eigentümer sich eben „ ein gebildetes Image“ geben?


Im „Hafen“ legte gerade wieder ein „ Luxus-Liner“ nach einer sicherlich „atemberaubenden Fahrt“ auf dem West Lake an.

In der Tran Vu 60 kann man sich leckeres Eis munden lassen. Der Betreiber hat sich seine Kenntnisse aus Berlin mitgebracht.
An den Nachbartischen lief übrigens gerade eine Verkaufsveranstaltung für Babywindeln!! Teilnehmer: ein smarter Verkäufer mit Laptop und viele schwangere Frauen. Die Verbrauchsmuster wurden gleich auf ihre Saugfähigkeit getestet.

Die Tretboot- Schwäne auf dem Truc Bach sind doch mehr auf die Körpermaße der Vietnamesen abgestellt- ich hatte mit meinen langen Beinen einige Schwierigkeiten..


Die katholische Kirche Cua Bac ist leider nur zu den Messen geöffnet. Aber die Standbildgruppe im Außenrevier mit Jesu und u.a. mit einem Mann mit Schlips war doch bemerkenswert. Allerdings sahen die Gesichter alle eher europäisch aus. 

Freitag, 14. Oktober 2011

Die Zeremonie

Der nächste Morgen stand schon „ in aller Frühe“ ab 7:30 im Zeichen der großen Zeremonie..
Wieder eröffneten die Trommlerinnen den Reigen.  
   Und dann wurde in einer langwierigen Zeremonie  dem Helden 
                                                   Das ist die Sympolfigur des zu Verehrenden

 gehuldigt. Diese Zeremonie ist für Jahre einstudiert und wird jährlich in gleicher Weise zelebriert.

 Nur der gewählte „ Anführer“ ( in Rot) wird dann  ausgewechselt, wenn er dieses Amt körperlich nicht mehr bewältigt.
Die Akteure– allesamt Laien aus dem Dorf- gaben in ihren Festkleidern ein farbenprächtiges Bild.
                                         Der Schuh des Anführers

Nach den Herren vollzogen auch die Damen ihr Ritual, begleitet von der Tanzgruppe.



 
Das Ganze lief sehr feierlich, aber eben auch typisch vietnamesisch- familiär ab. D.h. kleine organisatorischen Ungereimtheiten wurden gekonnt überspielt und auch für die Zigarette war noch Zeit.











Zwischenzeitlich nahm auch der Besucherstrom merklich zu. Man zahlt ja keinen Eintritt, sondern entrichtet eine Spende. Die Quittung kann man dann zusammen mit anderen Opfergaben auf dem Altar platzieren.


Diese reichten von den üblichen Keksen u.a. Snacks über Getränke  und Obst bis zu
„ fleischlichen Gaben“


Und neben den Zeremonien waren die Hahnenkämpfe im vollen Gange.

Die „Krönung“  und für manche Besucher scheinbar der wichtigste Anlass ihres Kommens bildete dann die Festtafel, an der die Spende teilweise wieder abgegessen bzw. abgetrunken werden konnte.


Insgesamt war dies ein hautnahes Erlebnis der lebendigen vietnamesischen Folkloristik!

Viel mehr Fotos gibt es demnächst in der Picasagalerie:
https://picasaweb.google.com/Guenter.Lohse/DorffestUndZeremonie?authkey=Gv1sRgCLSI-Y6PjPKQBA

Dorffest

Mein einhundertster  Post ist einem kulturellen Ereignis gewidmet:

Vor fast 1000 Jahren bewahrte in einem Dorf am Ho Tay ein Fischer seinen König vor einem Attentat. Als bescheidener Mensch lehnt er die ihm daraufhin zuteil werdenden vielen Ehrungen und gesellschaftliche Höherstellung ab. Er wollte lieber Fischer bleiben.

Heute ist dieses Dorf längst ein Stadtteil von Hanoi. Aber seine Bewohner verehren den Fischer immer noch in ihrem Dinh- dem Gemeindehaus. Und alljährlich findet zu seinem Todestag, dem 12.Oktober, ein Dorffest statt. 

 Als Einwohner dieses Stadtteiles  waren wir in diesem Jahr eingeladen, daran teilzunehmen.

Eingeleitet wurden die festlichen Aktivitäten  durch Hahnenkampf. Am Vortag gab es die ersten Kämpfe in einer „ Arena“, 

während es am Folgetag in drei Kampfplätzen richtig „ zur Sache „ ging. 
 Und – hinter vorgehaltener Hand erzählt- da spielen Wetteinsätze auch eine wichtige Rolle. Interessant zu beobachten, mit welcher Sorgfalt und Hingabe die Kampftiere von ihren „ Managern“ in den Pausen betreut wurden.
 


Am Vorabend gab es dann ein buntes Kulturprogramm. 
Den Anfang bildeten die Trommler, deren Übungsstunden uns schon Wochen zuvor fast täglich „ in den Ohren lagen“ ( Der Dinh ist in Luftlinie keine 200 m von uns entfernt)


Danach wechselten sich Chor, Sologesang und Tanzgruppe in bunter Folge ab.
Bemerkenswert, dass das alles – bis auf einige Solisten- Laienkünstler „aus dem  Dorfe“ waren.


 Und auch die Kleinsten aus dem Kindergarten durften nicht fehlen.

( Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 13. Oktober 2011

So schnell kann es kommen….. Mein erster Kontakt mit einer Klinik

Gerade in den letzten Tagen, als wir aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von Augen- und Gallenoperationen hörten, hatte sich bei uns noch mal die Hoffnung bestärkt, medizinische Einrichtungen hier in Vietnam niemals von innen sehen zu müssen. Doch schon heute war ich gezwungen, die Hanoi Family Medical Praktice aufzusuchen:

Beim eigentlich ungefährlichen Überqueren einer Straße mit dem Moped lag ich plötzlich zusammen mit einem Vietnamesen auf der Straße.
Der erste Gedanke galt natürlich  dem „Idioten, der mich da ungekarrt hatte“. Dieser suchte dann auch schleunigst das Weite!
Der zweite Gedanke galt dem Moped, dem glücklicherweise nichts passiert war
Der dritte Gedanke galt dem Eigen-check mit dem Ergebnis, dass alle Knochen bewegbar waren. Erst nachdem ein hilfsbereiter Verkäufer eines Honda- Dealers mich mit dem Moped von der Straße geführt hatte, bemerkte ich doch ein tüchtiges Loch in der Haut auf der Oberseite des linken Oberarmes.
Ein dankbarer Gedanke, dass uns nicht noch ein dritter oder vierter Verkehrsteilnehmer zusammengefahren hatte, kam mir eigentlich erst viel später!!!

Der Verkäufer geleitete mich dann auch noch über die Straße in eine Apotheke. Dort genoss ich dann die Grundkenntnisse einer Verkäuferin in Erster Hilfe: Wund vorläufig säubern, Jodtinktur aufträufeln und Wunde abdecken. Verwundet war ich nur, dass sie auch noch eine Kapsel eines Medikamentes aufschnitt und dieses Pulver auch auf die offene Wunde streute.
( Später identifizierte ich dies als ein Antibiotikum) ( Kosten für diese Medikamente und Verbandsmittel: 20.000 VND)

So versorgt fuhr ich dann erst mal- leicht „ bedeppert“- mit dem Moped nach Hause, um dort den Schaden erst mal richtig zu begutachten. Die Wunde war doch erheblich und würde sich wohl nicht mit Selbstmedikamentation  schließen.
Also fuhr ich dann nach Konsultation mit Freunden über die geeignete medizinische Einrichtung in die o.ä. Klinik- auch wieder mit dem Moped, denn alle Organe funktionieren ja normal. Die Klinik ist auch keine 10 min. Mopedzeit von uns entfernt.
Binnen kurzer Zeit wurde hier die Wunde fachmännisch gereinigt, begutachtet und vom Chef- einem Iren- genäht und verbunden. Auch der Arzt „verpasste“ mir Antibiotika.
Nach Begleichen der Rechnung ( 180,80 $) durfte ich dann auch noch nach Hause fahren. Aber für die nächsten 5 Tage soll das Moped lieber stehen lassen. Mal sehen, ob ich mich daran halten werde.
Am Samstag bin ich zur ersten Nachsicht einbestellt.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Neuerwerbung im Garten

Unser Garten ist ja nicht groß, aber hoch!!!!!



Da der gesamte Hofraum gefliest ist, besteht unser „Garten“ nicht aus Blumenbeeten und -rabatten, sondern aus vielen Blumentöpfen. Deren Anzahl ist mittlerweile auf ca. 70 Stück mit Topfdurchmessern zwischen 10 und 60 cm angewachsen.

Dieser Tage zog wieder eine Neuerwerbung ein, die wir aus dem „ Nachlass“ eines ausreisenden CIM-Kollegen erwarben. 
 Nach seiner Meinung sollte es ein Avocado –Busch sein. Doch nun haben wir nach umfangreicher Suche mit einigen Irrwegen herausgefunden, dass sich hinter dem vietnamesischen Namen „ Ngoc Lan“ ein Baum namens „White Champak“ oder „ Weiße Champaca“ verbirgt. Die Blüten sollen stark duften und der Baum steht sehr oft in Pagoden. Und richtig, wir fanden ihn sogar in unserer benachbarten Chua. Nun sind wir auf die Blüten gespannt.
Der Transport erfolgte recht unproblematisch. Zusammen mit Jowi, der nun eine Heliconia  sein eigen nennt, hatten wir ein Dreirad gechartert. Unser Busch mit einer Wuchshöhe von ca. 1.80m musste sich zwar etwas „ ducken“ , aber er hat es überstanden.

Allerdings musste ich schon beim Abholen einen äußerst unangenehmen Fakt bemerken- der Busch ist voll besetzt mit Schildläusen.
  Das hatten wir beim Kauf am Samstag Abend nicht bemerkt. Sein Vorbesitzer meinte, dass mit dem Blattabwurf ja auch die Läuse verschwinden ( zumindest zeitweilig). Aber werde da wohl versuchen, mit Abwischen der Blätter und „ chemischer Keule“ die Plagegeister zu bekämpfen. Das wird wieder ein langwieriges Programm!!!!

Ach ja, dann hatten wir ja noch eine weitere Orchidee gekauft- noch in der Knospe. Diese haben sich nun geöffnet und die Blüten erfreuen uns mit ihren „lustigen Gesichtern“.