Mittwoch, 1. Juni 2011

Carmen – über alles

Eine Adaption der berühmten Oper an das Thema „ Häusliche Gewalt gegen Frauen in Vietnam“ hatte sich die schwedische Regisseurin Helen Rohr „ einfallen lassen“. Und bei der Einstudierung  mit dem Ensemble der Hanoier Oper sollte der Internationale Chor  Unterstützung leisten.
Also hieß es nun ab März Texte lernen (in Französisch), Melodien üben und die Choreografie einstudieren. Letztere entstand erst vor Ort in einem „schmerzhaften“ Lernprozess zwischen schwedischer Regie und vietnamesischem Choreograf.
Die Bühnendekoration  bestand im Wesentlichen aus den Tischen der Zigarettenarbeiterinnen,  auf, unter, hinter und neben denen die Solisten und Chormitglieder agierten.
 Und so kletterten sie auf die Tische, 

 
hüpften herunter , verstecken sich hinter und unter diesen  und ruhen teilweise sogar darauf.

Die Handlung spielte zumeist in Hanoi und demzufolge bestanden die Kostüme des Chors aus Uniformen von Wachleuten und Arbeitsanzügen der Zigarettenarbeiterinnen und der berühmten Boxer Escamillo  
(die Namen wurden beibehalten) kommt, wie sollte es anders sein, bei seinem ersten Auftritt mit Moped auf die Bühne.
Carmen, eine alleinerziehende Mutter, die vor der den Gewalttätigkeiten ihres nichtsnutzigen Ehemanns geflohen war, „spielt dann doch ihre Spielchen“ mit dem Wachmann Jose und dem Escamillo und wird im Finale von Jose vor den Augen ihrer Tochter erwürgt.

Die Intensität der Probenarbeit steigerte sich von einmal Chorprobe pro Woche bis zu 4 Aufführungsproben / Woche. Die letzte Mai- Woche fand nun ihren Höhepunkt mit den Aufführungen am 26. und 27. Mai im vollbesetzten Opernhaus.
Und das Fazit: Als passiver Beobachter, Abholer von den Proben und ab und an Tongeber auf dem Keyboard konnte ich nur staunen, mit welcher Ausdauer und Begeisterung die Laien des Internationalen Chores bei der Sache waren und sich bei der gelungenen Aufführung überhaupt nicht von den „ Profis“  des Opernchores unterschieden. Und zum Lohn gab`s dann reichlich Beifall.


Und übrigens: den einzigsten eigentlich „ Carmenfreien“ Abend dieser Woche füllten wir noch mit einem sehr eindrucksvollen Film einer Carmenadaption aus Südafrika- Carmen in den Townships von Johannesburg.  Damit kennen wir nun schon vier verschieden Varianten diese Sujets- es soll wohl noch einige mehr geben…

Hier könnt Ihr noch viel mehr Bilder sehen
https://picasaweb.google.com/Guenter.Lohse/Carmen?authkey=Gv1sRgCLr4w8Tul_uuxgE#

und  Videos gibt es auch schon
(http://www.youtube.com/user/nicholasjbooth

Freitag, 27. Mai 2011

Volks-Wahltag am 22.5. 2011

Das kennen wir doch noch von früher: Die Wahl als gesamtgesellschaftlicher Höhepunkt- zumindest in der offiziellen Propaganda.
Schon Wochen vorher orientierten  Banner an Bümen und Masten sowie Losungen auf den Wahltag.
 
Die Regionalbüros stimmten die Bürger auf die Wahlbeteiligung ein. Selbst ein ziemlich heruntergekommener Wohnblock prangte im Fahnenschmuck.
In den Tagen unmittelbar zuvor kamen dann noch Korsos von Fahnenträgern und Lautsprecherwagen hinzu.
 
Die ganze Stadt vermittelte irgendwie einen geschmückten Eindruck ( freilich nicht so toll, wie zur 1000-Jahr-Feier) und selbst die Natur schien sich mit eingeordnet zu haben. Die„ Königinblume“ begannen in den zahlreichen Straßenbäumen ihr Blütenfeuerwerk im leuchtenden Blau, in das sich mancherorts das rot-orange der Blüten des Flammenbaumes mischte.

 Und über allem spannte sich ein strahlend blauer Himmel.
 Die Wahllokale waren zumeist in den Gemeindehäusern untergebracht und verbanden mit Ihrem dezentenWahlschmuck Tradition und Modernes ( hier ein Beispiel des Wahlbüros in Bat Trang)








Der große Unterschied zu unseren Erinnerungen an frühere Zeiten: 
Es konnte richtig gewählt werden.
Jeder Bürger über 18 Jahre hatte je eine Stimme für die Wahl der Nationalversammlung, der Provinzversammlungen und die Volkskomitees der Distrikte und Kommunen. Dafür konnte er aus Kandidaten-Listen auswählen . Für die 500 Sitze der Nationalversammlung kandidieren z.B. 827 Bewerber; für die 30 Parlamentssitze aus der Region Hanoi  50 Bewerber.
Natürlich  sollte jeder Wahlberechtigte selbst sein Wahlrecht ausüben. Aber, so erklärte uns augenzwinkernd ein deutschsprechender, vietnamesischer Wahlhelfer in einem Wahllokal, es kommt schon mal vor, dass ein Vertreter einer Familie mit den gesamten Wahlberechtigungsscheinen einer Familie ins Wahlbüro kommt und dort für die gesamte Familie abstimmt. „ Das ist zwar nicht ganz korrekt, aber es wird akzeptiert“.

In einem Wahllokal, das wir besuchten, herrschte gegen 11Uhr ruhige, feierliche Stimmung.
Vor dem Eingang waren noch mal die Kandidaten-Listen für diesen Stimmbezirk  mit Lichtbild und Lebenslauf  ausgehängt.

Vor dem Eingang kontrollierten zwei Wahlhelfer die Berechtigungsscheine ( Eine Kontrolle von Personaldokumenten habe ich nicht beobachtet).
Per Lautsprecher wurden sie dann mit ihrer Nummer ins Wahllokal gebeten und erhielten dort die Wahlscheine. An seitlich abgegrenzt, aber nach hinten offenen und demzufolge einsehbaren Bearbeitungspulten ( analog von Bearbeitungsschaltern  bei Banken odgl.)

 ( im Hintergrund im Raum zu sehen) konnten sie dann ihr Stimmrecht vollziehen und danach die Scheine, gefaltet oder offen, in zwei separate Urnen  werfen.

Und damit war dann alles erledigt…..

PS: ich wollte eigentlich gern noch die Wahlbeteiligung als offizielles Ergebnis anfügen, aber diese Zahlen waren mir bis heute nicht zugänglich.


Dienstag, 10. Mai 2011

Der Ba Be Nationalpark.......


 .......umfasst ca. 10.000 ha Karstlandschaft. Sein Kernstück bildet der ca.500 ha große Ba Be Lake.

 Mit kristallklarem Wasser lädt er zu einer ausgedehnten Bootsfahrt ein.
 Am Ufer bietet die Natur ein imposantes Farbenspiel- noch nie habe ich solche Variabilität an Grüntönen im Wald beobachten können, die immer wieder durch  das Weiß, Rot und Orange von Blütenfarben ergänzt werden.
 Und zu unserer Verblüffung „ entpuppte“ sich zahlreiches rotes Laub nicht als Herbstfärbung ( „indian summer“) sondern als frühlingsgemäße Neuaustriebe. Und sogar blühende Kastanien konnten wir entdecken.

Die Bootsfahrt war schon sehr romantisch und fand noch ihre Höhepunkte in einer Höhle






und einem kurzen Fußmarsch zu einem Wasserfall.









Im wilden Norden - Menschen und Märkte


 Lautes Quieken weckt uns am frühen Morgen des 3. Tages in Dong Van.  Eine Schlachterei?
Nein, das waren nur die zahlreichen Ferkel, die auf dem benachbarten Markt feilgeboten worden. Und tatsächlich wechselten viele von ihnen binnen kurzer Zeit den Besitzer und wurden wie Hunde an der Leine oder im Korb nach ihrem neuen zu Hause befördert.
 

Der Tiermarkt hatte auch noch Hunde, Küken, Ziegen und Rinder im Angebot.
Daneben florierte der Handel mit einem  breiten Spektrum an Waren des täglichen Bedarfes , größtenteils aus eigener Herstellung- Fleisch, Gemüse, Obst, Selbstgebrannter, Stoffe und Werkzeuge.
 ( In diesen Kanistern befindet sich nicht etwa Benzin oder Wasser- sondern " Samogon")
 
 Bunt gekleidete Frauen  agierten als Verkäuferinnen  und Käuferinnen gleichermaßen. 


 Aber hier waren wesentlich mehr Männer in ihrer, natürlich viel schlichteren , Tracht zu sehen , als wir in Sapa beobachtet hatten.


Teilweise wurde auch gleich 
vor Ort „ gewerkelt“

Ein ähnliches Bild bot sich dann ca. 90 km weiter nach Überqueren mehrere Pässe in Meo Vac

Im wilden Norden- Mensch und Natur

Fünf Minoritätengruppen leben in diesem Gebiet- Hmong, Tay, LoLo, Dao und Nung.

Beispiel : Eine LoLo-Frau
Sie führen einen harten Kampf ums Dasein. Für uns kaum begreifbar, in welch fast unzugänglichen und abgelegenen „ Ecken“ und an welch steilen Hängen da Felder angelegt und bearbeitet werden.

Auch die Kinder werden schon bei Zeiten mit eingespannt.
Vielfach wird Mais angepflanzt und Reis und verschiedene Gemüse und Kräuter.

Mit Bangen muss man jedoch auch beobachten, dass an vielen Hängen kaum Bewuchs mehr vorhanden ist, wenn die Felder aufgegeben worden sind.. Da ist ja Erosion vorprogrammiert!! .
Und welche Entfernungen da hauptsächlich Frauen überwinden, um aus irgendwelchen Hütten oder Dörfern zum Markt und zurück zu laufen. Die Angehörigen der verschiedenen Minoritäten tragen ihre bunte Kleidung und leuchten als Farbtupfer in der Bergwelt.



In den Tälern stehen in verschiedenen Gegenden Wasserräder zur Bewässerung der Reisfelder.



Zu großem Wohlstand bringen es diese Menschen allesamt kaum. Blicke in die Behausungen lassen uns jedwedes „ Wohlstandsproblem“ klein und nichtig erscheinen.



Aber das Fernsehen bringt wohl etwas Abwechslung in ihr Leben- davon künden die allgegenwärtigen SAT- Schüsseln. Und in meinem Hinterkopf „ grummelt der Gedanke“, was wohl passieren kann, wenn sich bei diesen Menschen das Verlangen breit machen möge, auch etwas von dem bunten Leben abhaben zu wollen, dass ihnen da in ihre Hütten flimmert.

Noch ein anderer Gedanke macht sich bei mir breit: Könnten diese Menschen mit ihrer Zähigkeit und ihrem Fleiß bei richtiger Führung und Unterstützung nicht buchstäblich „ Berge versetzen“??!! Welch ein krasser Gegensatz offenbarte sich dann in Bao Lac, wo das Personal und Management ein Hotel mit eigentlich guter Substanz total „verloddern“ lässt und uns mit einem großen Maß an Unfreundlichkeit begegnete. Diese Frauen gehörten aber wohl der Majorität der Vietnamesen an.




Nachtrag zur Landschaft:

Wir hatten ja leider sehr diesiges Wetter erwischt und konnten die Blicke in die Täler teilweise nur ahnen:

An fast der gleichen Stelle hatte Richard Cain zwischen 2001 und 2003 das nachfolgende Foto „ geschossen“
(http://translate.google.de/translate?hl=de&langpair=en|de&u=http://www.globalwanderings.co.uk/ethnic_minorities/taythai.htm)

Donnerstag, 28. April 2011

Im wilden Norden

Über ca. 850 km führte diese Tour an 5 Tagen in den äußersten Norden Vietnams  mit den Übernachtungs – Stationen Ha Giang, Dong Van,  Bao Lac  und Pac Ngoi Village am BaBe –See. Als ‘New Explorers’- Tour war sie von den „Friends of Vietnam Heritage” organisiert und angekündigt worden  und sie brachte uns wirklich eine riesige Fülle an Eindrücken von berauschenden Landschaften, bemerkenswerten Menschen, betörend riechenden Blüten und… und…
Wo soll ich beginnen mit berichten- wo aufhören ??
Ich werde mich  hier im Blog auf einige Themen im Querschnitt konzentrieren und muss mir für die Dokumentation der Details mit der Vielzahl der Bilder etwas anderes einfallen lassen….

Landschaften und Straßen
Da waren wir nun eingetaucht in die wilde Bergwelt des „ Dong Van Karst Plateau Geopark“
Romantische Flusstäler

und schroffe Bergregionen 

wechselten in rascher Folge. Bis auf 1.400 m  kletterten die Straßen,

  um dann wieder bis auf 600 m hinab zu führen. 

Leider war es da oben sehr diesig- das soll wohl typisch für diese Zeit der eigentlichen Trockenperiode sein.
Die meisten Hänge waren abgeholzt. Hier kämpft der Mensch mit der Natur, um Felder anzulegen. Leider kündeten auch sehr oft Rauchfahnen  davon…

Schon die Hauptstraßen waren abenteuerlich- eng , teilweise aus den Felsen herausgehauen und  dicht am Abhang


Hier ( 39 km vor Dong Van ) ging dann erst mal gar nichts mehr, weil dem LKW in der Kurve der Motor versagte

Aber für die Explorer hatten die Organisatoren auch noch Nebenstraßen ausgesucht, die auf der Karte gar nicht oder nur als „ Strichelchen“ verzeichnet waren. Und da ging`s eben auch insgesamt 4 Mal durch den Fluss. 


Insgesamt erforderte die Kurverei starke Nerven und Mägen, über die nicht alle Mitreisenden verfügten……

Doch schon etwas „ gemäßigter“ entbot sich dann die Landschaft um den BA Be- Nationalpark und von da aus bis Hanoi . Der BaBe- Lake lockt mit klarem Wasser zu einer ausgedehnten Bootsfahrt. 


Aber auch die Fahrt nach Hanoi zurück ist kurvenreich und führt immerhin auch über 5 Pässe. Mehr als 6 Stunden braucht man für die ca. 250 km