Es sollte ein gemütlicher Wanderausflug werden und es
wurden 5 Sunden, voll gepackt mit
Eindrücken.
Erste Station: Ein plattes Hinterrad zwang uns zum Halt.
Glücklichweise brauchten wir nur 200 m zu schieben und fanden eine „ Imbissbude
mit Reifenreparatur“. Gelegen an der Begleitstraße neben der Autobahn vor einem
stillgelegten Fabrikgebäude. Die Reparatur
dauerte etwas länger (fast 1h), da der Schlauch gewechselt und erst im 3km entfernten Markt geholt werden
musste. In dieser Zeit besuchten außer uns noch 2 weitere Moped-Kunden und zwei „ Getränkekunden“ die
Lokalität. Und an der mobilen Zapfsäule stillte eine Mopedfahrerin den Durst
ihres Gefährts,
Wir hatten Zeit, uns etwas weiter umzusehen:
Relativ wenig vom „ Gastraum“ ( zwei Bänke, ein Tisch mit
Getränken, ein Kühlschrank und ein Gaskocher) getrennt, war der „ Wohnraum“:
Ein Bett mit Moskitonetz und Ventilator und einigem „ Krempel“, Kein
Fernseher!!!. Vor dem Bett lagen einige Paare Schuhe, darunter auch ein Paar Hochhackige.
Nachts wurde das Ganze offensichtlich mit einem Maschendrahtgitter gesichert.
Hinter der Behausung tummelten sich ein paar ärmliche Hühner. Eine Wäscheleine
mit Kleiderbügel deutet auf längeren Aufenthalt.
Eine junge Frau bereitete Gemüse für das Mittagsmahl zu. Sie
und ihr später hinzukommender Ehemann waren ordentlich gekleidet. Mit unserem „
umfangreichen Vietnamesisch- Kenntnissen“ brachten wir in Erfahrung, dass die
Frau 25 Jahre alt ist und zwei 7 Jahre alte Kinder hat. Und alle leben dort in
dieser Behausung. Aber sie wirkten irgendwie zufrieden und gelassen….
Nächste Station: Die
Berge von Hoa Lac
Da waren wir schon mal und wollten diesmal etwas weiter vordringen. Und fanden auch sehr interessante Vertreter aus dem Pflanzenreich.
Eine Wildform von Paprika????
Diesen " Knüppel" muß ich erst noch bestimmen
Es war aber nach der Regenzeit etwas feuchter und der
eingeschlagene Weg endete mehr oder weniger im Unterholz. Und dort lauerten sie
uns auf- Blutegel !!! Recht massiv bedrängten sie zunächst Veras Füße und wir
hatten allerhand zu tun, sie immer wieder zu entfernen, bevor sie sich so
richtig festsaugen konnten. Erst war ich Vera etwas böse, weil sie keine
Strümpfe angezogen hatte. Dann aber bemerkte ich, dass diese Plagegeister mich
trotz fester Turnschuhe und Strümpfe noch wesentlich stärker heimgesucht hatten.
Und so zwangen sie uns zum Rückzug auf einen trockeneren Weg. Dort belächelten
uns mehrere vietnamesische Holzsammlerinnen etwas mitleidig ( oder
spöttisch??). Sie trugen Gummistiefel, die sie oben noch mit Tüchern zugebunden
hatten!!
Doch auch auf diesem Weg begannen wieder die Angriffe,
sobald sich da nur etwas Grünbewuchs befand – also entgültiger Rückzug. So
blieben also auch diesmal die Berge vor uns verschont…
Dritte Station: ein heruntergekommenes Touristenressort.
Hier sollten wir 50.000 VND Eintritt bezahlen. Wofür?
Das erkundeten wir
dann „ auf Umwegen“ und waren dann wegen der Eintrittsforderung leicht empört,
denn das Ressort hat schon mal bessere Zeiten gesehen:
Die Unterkünfte und das ganze Gelände machten einen sehr
verwahrlosten Eindruck.
Das Schwimmbad mit Wasserrutschen muss
mal schön
gewesen sein ( ein Becken- ohne
Wasser- machte einen noch etwas sauberen
Eindruck).
Ein Restaurant odgl. war nicht auffindbar.

Auf einer Wandkarte waren zwei Wanderwege in die Berge
eingezeichnet, die auch zu einem ehemaligen Flugplatz der Franzosen(???) führen
sollen.
An dem ganzen
bedrückenden Eindruck
konnten auch
die
Elefantengruppe mit Kriegern ( aus Beton)
und die etwas kitschigen
Tiergruppen(
auch aus Beton)
nichts ändern.
Wer soll in solchem Ressort wohl übernachten?
verte Station: das Dorf
Auffallend war eine größere Anzahl freistehender, mindestens
dreigeschossiger Häuser mit einer Vielzahl von Accessoires, mit denen man ein
Haus nach Vorstellung mancher Vietnamesen „ verschönern“ kann: Balkone, Türmchen und Veranden;
Fenster rundherum. Nach den Jahreszahlen wurden sie zwischen 2005 und 2009
erbaut. Aber seitdem hat auch niemand mehr etwas zur Erhaltung getan.
Noch bemerkenswert im Dorf: auf 3 verschiedenen Plätzen
wurde Volleyball gespielt und da war auch die „reifere Jugend von 30+“ aktiv
beteiligt und- selbst für Vietnam auffallend - viele kleine Kinder sausten im
Dorf herum.
Wer lebt hier? Waren die Häuser mit „abgefallen“, als das
nahegelegene Wasserreservoir mit Staumauer errichtet worden war? Oder haben
hier einige „ Führungskräfte“ aus Hanoi Erträge ihrer Tätigkeit aus den Zeiten
angelegt, als Vietnam noch zum großen Tigersprung angesetzt hatte?
Die Holzsammlerinnen, die ihre Ausbeute später tragegerecht
zusammengehackt und auf ihren Tragestangen gebündelt hatten, und die Hüter dieser kleinen Büffelherde
gehören sicherlich
nicht zum Kern der Dorfgemeinschaft.
Fünfte Station: „green villas“
Ein Housing-Project, das sich auch wirklich in der Bauphase
befindet.
In einer großzügig und weitläufig gestalteten
Deichlandschaft mit akkuraten Rasenflächen und Anpflanzung stehen wohl einige
Musterhäuser und das Verkaufsbüro – alles recht ansehnlich.
An den eigentlichen Häuser und den weiteren Freiflächen wir
eifrig gebaut.
Aber, oh Schreck: trotz des offensichtlich üppigen
Platzangebotes stehen die Häuser dicht auf dicht, bis zu drei Reihen
hintereinander
Wer soll hier ein Haus kaufen? Die Mitarbeiter des
Hochtechnologiezentrums Hanois, das sich in diesem Territorium befinden und in
dem auch ein Weltraumforschungszentrum entstehen soll?
Es sollte ein gemütlicher Wanderausflug werden und es wurde ein
Nachmittag, der uns noch lange zum Grübeln anregte…..