Unsere Küchenmöbel sind ja nicht besonders praktisch- aber
eben „ vietnamesisch schön“.
Und sie haben ein „Eigenleben“. Oder besser gesagt: hatten.
Doch der Reihe nach!
Als wir eingezogen waren, hatten wir die kleinen weißen
Häufchen im Eckschrank als Nachlässigkeit der Monteure gewertet, die Sägespäne
nicht gründlich beseitigt hatten.
Und als wir das erste Mal kleine Häufchen „Kaffeepulver“
entdeckten, an Stellen, wo normalerweise kein Kaffee verschüttet wird, da
konnten wir uns das nicht so richtig erklären. Aber es beunruhigte uns nicht
weiter.
Als aber dann derartige helle und vor allem braune Häufchen
immer wieder und an mehreren Stellen auftraten, wurden wir doch stutzig und
alarmierten unseren Vermieter. Herr Tung erklärte das damit, dass die unteren
Zierblenden aus minderwertigem Holz gefertigt seien, das wohl von einem
Holzschädling befallen sei. Die übrigen Schrankteile seien aber aus wertvollem,
härteren Holz und für die bestände keine Gefahr eines Befalls.
Die unteren Blenden wurden ausgewechselt und somit sollte
das Problem behoben sein.
War es aber nicht!
Die Fraßstellen nahmen an Anzahl und Intensität zu. Meist
wurden sie noch von der äußeren dünnen
Schicht aus gebeizten und lackierten Holz verdeckt, aber bald brachen
diese Hüllen auch an einigen Stellen auf.
Über zwei Jahre lang
„ beknieten“ wir nun den Anh ( Herrn) Tung, doch etwas zum Schutze seiner Möbel
zu tun. Jedes Mal zum Termin der Mietenkassierung wurde dann palavert und auch
von „ Fachleuten“ vermessen- aber es tat sich nichts.
Nunmehr nach über drei Jahren Mietzeit zeigte die erste
Seitenwand des Glasschrankes derartige Fraßschäden, dass wir uns um die
Stabilität zu bangen begannen. Und nun wurde auch Anh Tung wach. Nach
mehrmaligen Terminabsprachen, die allesamt nicht eingehalten wurden, erschien
Anh Tung tatsächlich „ mit großem Gefolge“. Wieder wurde gemessen und
diskutiert und man verschwand mit der Ankündigung: „ Morgen wird der
Glasschrank erneuert“.
Pflicht gemäss und vorsorglich räumte ich alles Geschirr
`raus und wartete. Und es kamen zwei
Monteure- ohne Glasschrank! Sie schraubten die Glastür ab, nahmen nochmals Maß
und verschwanden wieder- ohne Info über den weiteren Werdegang.
Natürlich hatte ich die Kritik meiner besseren Hälfte ob
meiner Eifrigkeit mit dem Ausräumen auf meiner Seite!!
Nach 7 Tagen, wir
hatten fast wieder alles eingeräumt, kam der Alarm: „Morgen!“- Natürlich
war auch dies ein Fehlalarm, aber „ übermorgen“ rückte dann ein Dreier-Team an-
mit neuem Glasschrank.
Aber das war nur „ die Spitze vom Eisberg“. Man bedeutete
uns, dass jetzt sofort der gesamte Unterbau ausgeräumt werden müsse. Und als
wir ( Vera wollte gerade zur Arbeit fahren!!) noch versuchten, alles
einigermaßen geordnet aus- und wegzuräumen, begannen die Jungs doch tatsächlich
mit der Demontage von Gaskocher, Spüle und Granitplatten der Arbeitsfläche.
Und da wurden auch die Übeltäter sichtbar:
Con mọt oder Anobium punctatum
oder Holzwurm
Wenn nun Anh Tung ( bzw. dessen Vertretung Frau Tung) noch immer gehofft hatte, im Unterbau
vielleicht nur ein paar Leisten oder Wände auswechseln zu müssen, so wurden sie
dann doch- auch nach Konsultation von zwei
Vertretern der Schädlingsbekämpfungszunft- eines Besseren oder
Schlimmeren belehrt:
Der Befall ist dermaßen stark verbreitet, dass wirklich der
gesamte Unterbau erneuert werden muss.
Da bestand nun die Vorstellung, dass sie den ganzen „
Krempel“ abtransportieren und
„ vielleicht in 5 Tagen“ alles wieder einbauen wollten.
5 Tage ( oder nach den Erfahrungen mit dem Glasschrank
vielleicht doch eher 14 Tage??) ohne funktionierende Küche- da wäre doch wohl
zuviel!!
Nach meinem vehementen Einspruch wurde dann ein Kompromiss
gefunden:
Alle Kästen und Schübe wurden auch noch geleert, alle Türen
und Beschläge abgeschraubt und nochmals alles vermessen und skizziert. Und der
nackte zerfressene Unterbau kam wieder an Ort und Stelle, Gaskocher und Spüle
wurden wieder re-installiert. Jetzt wird in der Werkstatt in Ruhe alles
vorbereitet und wir haben eine behelfsmäßig funktionierende und eingerichtete Küche. Mal sehen, wie
lange dieser Zustand nun andauern wird ……
Zurück bleibt die spannende Frage, ob dieser Aufwand bei rechtzeitiger
Aktivität hätte verhindert werden können.