Montag, 14. Januar 2013

Ein Tag im Homestay



Nach dem Besuch der Nudelfabrik mit Frühstück einer Pho (Im Unterschied zum Norden kommen hier größere Fleischstücke in die Suppe) geht’s wieder aufs Moped.
Die Fahrt durch die Stadt und erst recht dann auf der Landstraße ist sehr entspannt. Das liegt sicherlich auch mit am Feiertag. Erst geht’s ein paar km entlang des Hightway`s, dann wird auf eine Nebenstraße abgebogen. Rechts und links wechseln sich Obstplantagen (hauptsächlich Guaven) mit Reis- und Gemüsefeldern ab. Selbst die Straßenränder werden teilweise genutzt.


 Nach Passieren einer Kleinstadt mit Markt wird es richtig ländlich.
Die Straßen werden enger, mit einer Fähre
 überqueren wir einen der zahlreichen Kanäle
und von da ab gibt es nur noch Wege - aber befestigt mit mehreren Brücken (ca. 1,50 m breit ohne Geländer)
Und schließlich sind wir angelangt im Homestay.
 Nun ja, wir kennen ja schon einige Home-Stay`s  in Vietnam und glaubten zu wissen, was uns erwartet. Aber was wir hier vorfanden übertraf- besser untertraf- all unsere Erwartungen:
Ein aus Stein gemauertes Haus – etwas erhöht auf einem Podest. Die Fußböden in mehreren „ Zimmern“ sind alle gefliest. Auch eine „ kalte Pracht“ ist vorhanden- das Wohnzimmer mit echt vietnamesisch schweren Sesseln und Fernseher, was aber offensichtlich höchst selten genutzt wird.
Überall steht und liegt „irgendwelches Zeugs“ herum, von der Familie selbst und Bau-Material. Selbst für unser geringes Gepäck (ein Rucksack) findet sich keine richtige Ablage in „ unserem Zimmer“, aber dafür ein Ventilator und eine Steckdose zum Aufladen des Foto-Akkus.
 Das ist das einzigste Foto vom Haus- irgendwie sträubte sich etwas in mir, hier weiter zu fotografieren.

Man beachte, dass die Liegefläche auch gemauert ist (dazu später etwas mehr).
Auf Nachfrage bekamen wir sogar noch eine richtige Matratze. Und –aus Erfahrung klug- hatten wir unsere Seidenschlafbags dabei.
In der Küche im Vorbau steht sogar ein neuer, zweiflammiger Gasherd.
Die „ Krönung“ ist der „ Sanitärtrakt“:
Ein fensterloser Verschlag mit einer klapprigen Falttür. Darin stehen immerhin ein Toilettenbecken und mehrere Bottiche Wasser mit einer Schöpfkelle.
„ You can take a shower“ = Originalton unseres Guide.
Aber es liegt extra für uns die Gästegrundausstattung des Kim Lan- Hotels bereit: Seife, Zahnbürsten und Kamm…..
Wir haben den Schock und auch die eine Nacht überstanden und können nur hoffen und wünschen, dass sich mit Fertigstellung der neuen Häuser die Verhältnisse etwas bessern.
Ja, auf dem Gelände entstehen in 
„ Leichtbauweise“  aus Bambus 
und Palmblättern  mehrere Gästehäuser.

Auch der ursprüngliche Garten  mit schon fruchtenden Obstbäumen, Hühnerauslauf und Fischteich wurde noch erweitert.
 In den Teichen  schwimmen wirklich Massen von Fischen, separiert nach Alter und Größe. Die Strahler sollen dazu dienen, nachts die Fische zum Fangen anzulocken.


Dahin kommt man derzeitig                
 aber nur über einen Balken ohne Geländer, 
den wir natürlich zur Belustigung 
der Bauarbeiter  nur mit Mühen 
und mit Hilfe einer Stange
 überwinden konnten.




Die Gastfamilie besteht aus dem Elternpaar- Mitte 40, zwei Söhnen und der jüngeren Tochter. Bis auf die Tochter, die eine Restaurantausbildung (?) hat und etwas englisch versteht, ist direkt nur die minimale Verständigung mit unseren bescheidenen Vietnamesisch- Kenntnissen möglich. Und so läuft die Konversation hauptsächlich über den Guide, der wiederum perfekt englisch spricht.  Er erzählt uns viel über das Leben hier; dass die Leute hier eigentlich alles zur Selbstversorgung fürs  Leben haben und glücklich und gesund sind.
Äußerst  bemerkenswert ist seine Erzählung, dass in der Regenzeit das Wasser manchmal doch so hoch ansteigt, dass selbst das Haus überflutet ist:
„ dann sitzen die Leute eben auf den Podesten und warten, bis das Wasser wieder abfließt…“
Aber so an einigen Momenten kommen wir uns doch auch so vor, als würden wir hier doch auch als westliche Touri´s „ vorgeführt“. So, z.B. wenn der „ big lunch“ zelebriert wird ( aus einigen vorher auf dem Markt eingekauften Lebensmitteln, u.a. auch ein Fisch).
Oder wenn es am Abend „ sweet potato         
 barbecue“ gibt- aus den genau abgezählten
3 Stück, die auch auf dem Markt gekauft 
worden waren.
 (das Feuerchen wird übrigens aus den
 Schalen von Kokosnüssen bereitet)
Oder wenn Vera am Morgen im Hühnergarten genau zwei Eier „ finden darf“…..








Oder wenn wir die Früchte des Gartens ernten …







Am Tollsten war aber  die ausführliche „ Flurfahrt“ mit dem Boot.

Da lacht das Herz des Landwirtes:

 große ebene Reisfelder und Spuren von Landtechnik im Kleinformat; hauptsächlich für die Bodenbearbeitung (hier lernt unser Guide den Begriff „ eiserne Kuh“ kennen…).

 Die Ernte soll wohl auch maschinell erfolgen mit Maschinen von Dienstleistern oder Maschinenringen.
Die Reisbestände sind relativ sauber und gesund,   
 u.a. fanden wir auch Hinweise auf eingesetzte 
Fungizide zur Bekämpfung einer weltweit
 verbreiteten Pilzkrankheit.
Düngung und Unkrautbekämpfung erfolgen manuell.







Wir fahren durch kleine und kleinste Kanäle, begegnen Boote unterschiedlicher Größenordnung,

besichtigen Schweineställe, einige magere Rinder und Enten.

Auch hier ist uns wieder das Touristenglück hold 
und wir sehen, dass die " Monkey-Bridges" 
auch wirklich genutzt werden.                                 








  Und selbstverständlich muß ich es auch 
selbst ausprobieren- 
Ganz schön wacklig, aber machbar!










Auch Fischfangmethoden werden uns demonstriert mit Reusen und diesen großen
 „ Schwebe“-Netzen.


                                                                                      Sie werden ins Wasser gelassen und nach 
                                                                                     einiger Zeit ruckartig nach oben gezogen in der 
                                                                                     Hoffnung, dass ein oder mehrere Fische nicht 
                                                                                     rechtzeitig heraus schwimmen konnten. Unsere 
                                                                                     Demonstrationsversuche waren allerdings 
                                                                                     erfolglos..

Hier wird ein Feld neu aufgeschwemmt. Der Boden ist sehr stark tonhaltig und kann nur im gut feuchten Zustand bearbeitet werden.

Und wir konnten beobachten, dass das niedrige sanitäre Niveau des Homestay im wirklichen Leben noch unterboten werden kann:

Das ist ein „ Wasserklosett“. Der Korb mit Papierresten verrät, dass es in reger Benutzung ist!!!!

Dieser Junge und auch die                    
 Bauarbeiter am Abend vollziehen
 ihre körperliche Säuberung im Fluss.

 Aber eine Frage konnten wir auch hier nicht klären- vielleicht haben wir auch nicht intensiv genug nachgefragt: Wie bekommen die Hausfrauen ihre Wäsche sauber, auch die weiße??




Diese ganze Flurfahrt genossen wir am Neujahrs-Nachmittag bei Temperaturen um 28 Grad, strahlendem Sonnenschein und friedlicher Ruhe!

Die Nacht haben wir überstanden, das Frühstück war einfach (wir hatten unsere Grundversorgung- Marmelade und Brötchen dabei). Unser Guide frühstückte nicht.  Da er nicht körperlich arbeitet, braucht er kein Frühstück, sondern eben dann wieder einen „big Lunch“.
Bei der Rückfahrt war der Verkehr in Stadtnähe dann doch schon etwas lebhafter, aber längst nicht so stressig wie in Hanoi.

Zurückgekehrt ins Hotel bekamen wir noch mal ein paar Stunden ein kleines Zimmer (kostenlos, obwohl wir schon ausgecheckt hatten), wo wir in aller Ruhe unseren „ sanitären Normalzustand“ wieder herstellen konnten.

Alles in allem- eine tolle Tour am Puls des Lebens im Mekong- Delta, die wir nicht missen möchten!!!

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