Das Kapitel „ Vietnam“ ist eigentlich mit unserer Ausreise
am 5.7.2013 beendet.
In den letzten Wochen und Monaten haben sich aber noch viele
Eindrücke und Infos angesammelt, für deren Verarbeitung im Blog aus
verschiedensten Gründen einfach keine Zeit war. Deshalb folgen jetzt auch in
diesem Blog noch einige Einträge, während auch das Tadschikistan –Blog wieder
aktiviert wurde.
Beginnen wir aber hier mit der Ausreise selbst.
Deren Vorbereitung und Organisation
allein war zeit- und nervenaufwendig und belustigend zugleich.
Schon rechtzeitig hatten wir uns im Internet sowie bei
Freunden und Kollegen nach geeigneten Unternehmen für unsere Transportaufgaben
erkundigt. Die Aufgaben waren nicht ganz so einfach. Es standen die Fragen, ob
wir einen Teil unserer Güter nach
Duschanbe direkt schicken sollten und
für welche Güter das möglich wäre und ob und welche Güter nach Deutschland
transportiert werden sollten und auf welchem Wege.
Die Strecke Hanoi – Duschanbe ist ja wirklich nicht gerate
eine stark frequentierte Route. Belustigend war immer wieder die Frage von den
verschiedensten Unternehmen, ob die Güter
nach Duschanbe per Luft oder Seefracht geschickt werden sollten, obwohl
ich schon vorab darauf hingewiesen hatte, das Tadschikistan in Zentralasien
liegt und keinen Seehafen hat. Da bekamen wir schon teilweise abenteuerliche
Routenvorschläge via Rotterdam und dann
quer durch Europa und Russland auf dem Landwege oder via einen Seehafen im Iran
und dann per Land über Iran, Irak, Afghanistan nach Duschanbe. Ein Unternehmen
ermittelte sogar einen Hafen in Kjuchand, einer Stadt im Norden Tadschikistans in
der Nähe von einem Stausee(!!!).
Und für die Luftfracht standen dann die Fragen der Preise
und der zulässigen Abmessungen der Packstücke. Schließlich wollten wir ja
unsere wunderschönen Stehlampen mit in die neue Wohnung verfrachten. Von dem
Vorhaben, unsere Rattan Möbel nach Duschanbe zu bringen, mussten wir uns leider
dann doch verabschieden.
Für eine umfangreiche Seefracht nach Deutschland hätten wir wesentlich frühzeitiger die
Weichen stellen müssen, damit alles rechtzeitig im Juli hätte ankommen können.
In dieses Entscheidungsgeflecht
tauchten dann einige Firmen ein, die wir in die engere Wahl gezogen
hatten. Sie vermaßen und fotografierten
die einzelnen Güter oder erstellten ihre Angebote aus der Erinnerung und
Erfahrung. Schließlich gaben wir DB Schenker
den Auftrag für Luftfracht nach FFM und Duschanbe, jeweils nur bis zum
Airport mit Selbstabholung.
Der Packtermin wurde für den 1.7. vereinbart. Da
trat dann eine Mannschaft von 6 Leuten + 1 Supervisor (der auch die
Erstbesichtigung durchgeführt hatte) an mit Unmengen von Papier, Pappe und 4
vorbereiteten Holzkisten.
Vor unseren staunenden Augen packten sie insgesamt 18
Kisten und Kartons innerhalb von drei
Stunden in einer Qualität, dass wir in Erfurt und Duschanbe nur zwei zerbrochen
Gläser zu beklagen hatten. Und die hatten wir sogar noch selbst in die
Original-Kaufkartons gesteckt. Tolle Leistung des Pack-Teams von Schenker !!
Dagegen zeigte das Logistik-Team
des gleichen Unternehmens einige Schwächen:
1. - Wir
wollten die Güter in Frankfurt am Samstag, den 6.7. gleich selbst aus dem Cargo-Terminal abholen
und so die Transportkosten nach Erfurt sparen. Das sollte nach Ansicht von
Schenker- Hanoi partout nicht klappen,
da „die Dienststellen von Cargo und Zoll am Wochenende nicht arbeiten“. Das
betrifft aber offensichtlich nur Schenker in Frankfurt. Nach einigen
Telefonaten (Skype machte es möglich) konnte ich dann Schenker Hanoi
überzeugen, dass andere Cargo Unternehmen auch direkt von VN-Airlines Güter abfertigen
und der Zoll sehr wohl auch am WE tätig ist.
Das Auslösen der
Güter im Frachtterminal samt Zoll verlief dann sehr einfach und reibungslos.
2. - Nach
dem Verpacken wurden vom Supervisor nochmal die genauen Mengen Präzisiert und
die Kosten per Mobil mit seinem Office abgestimmt. Die Rechnung fiel aber dann
höher aus und wurde erst nach unserem Protest wieder auf den abgestimmten Betrag
korrigiert.
3. - Die
Sendung nach Duschanbe sollte nicht vor dem 2.8. dort eintreffen, da wir selbst
erst am 1.8. einfliegen und auch hier die Güter selbst abholen wollten. Die Fracht wurde aber schon am 26.8.
abgesendet und traf schon am 28.8. in D. ein. Also hatten wir für 3 unnötige
Lagertage Lagergebühr zu zahlen- sehr ärgerlich. Aber nun finden wir gerade
Wege, wie uns diese Gebühren von Schenker Hanoi wenigstens teilweise
rückerstattet werden.
Alles in Allem:
Schenker ist eine Empfehlung wert!
Sehr kurzfristig hatten wir uns
dann doch entschieden zu versuchen, die Rattan-Möbel und einiges anderes doch
per Seefracht nach Deutschland zu schicken. Unser Nachbar in Hanoi-Herr Trung, ein
Vietnamese, der in Sonneberg einen Laden betreibt- hatte uns „ den Floh ins Ohr
gesetzt“, dass dies über ihn und seine Handelspartner leicht zu händeln sei.
Diese Partner bekamen aber dann sehr schnell „ kalte Füße“ und wir landeten auf
Herrn Trung`s Empfehlung bei Vitraco, dem Hanoier Partnerunternehmen von
Müller+Partner in Berlin. Nach Übermittlung von Fotos und Abmessungen der zu
transportierenden Güter (insgesamt ca.3 m³) erhielten wir sehr schnell ein
Angebot für den Haus zu Haus-Transport, das das von Schenker deutlich unterbot.
Es wurde von der deutsch mit sächsischem Dialekt sprechenden vietnamesischen
Chefin ausdrücklich bestätigt, dass die kurze Zeitspanne bis zu unserer Ausreise
(10 Tage) kein Problem sei. Und
dann begann eine schweißtreibende und nervenaufreibende Tragik-Komödie:
1.Akt Erstellung der Dokumente
Ich hatte mir nicht vorstellen
können, dass die Kommunikation zwischen zwei deutsch und vietnamesisch
sprechenden Vietnamesen ( Vitraco und CIM) so schwierig sein kann, um in
kurzer Zeit die erforderlichen
Bestätigungen zu erstellen, dass es sich bei der zu transportierenden Ware um Haushaltsgut eines in die Heimat
zurückkehrenden Expats handelt.
Als „Gipfel der Unverfrorenheit“
wurden wir dann auch noch mehrfach ersucht, irgendwelche Blanko-Unterschriften
„ für die Hafenbehörden“ zu leisten- diese Forderung wurde erst wieder von der
Chefin nach unserer Beschwerde zurückgenommen
2.Akt Verpackung
Uns wurde in Aussicht gestellt,
dass die Güter unverpackt per LKW nach Haiphong zum Hafen transportiert und dort verpackt würden („aus
Kostengründen“). Wiederum nach Einspruch bei der Chefin sollte dann die
Verpackung bei uns im Hof am 3.7. erfolgen. An diesem Tag erschienen vormittags
tatsächlich 2 Männer mit einer großen Rolle Plastikfolie.
Da wir dann „ leider“ nicht genügend Pappe im Haus hatten, zogen sie erst mal
wieder von dannen, um mit alten Kartons wieder zu kommen. Wir wurden immer
wieder nach Textilien gefragt, mit denen dann noch eine Abpolsterung erfolgen
könne.
Am Nachmittag kam dann die von uns
mehrfach nachgefragte Holzumhüllung in Form von Latten-Käfigen-gefertigt von
einem „ Subunternehmer“. Und siehe da-obwohl man am Vormittag nochmal Maß
genommen hatte- es passte kein einziger der Käfige. Also musste noch ein
Subunternehmer heran, der dann die Käfige einigermaßen passgerecht „ zusammenschusterte“.
Und dabei mussten wir tüchtig aufpassen, dass nicht das Holz generell an den
nur mit Folie abgedeckten Möbels scheuerte.
Da LKWs ohne teure
Ausnahmegenehmigung nur nachts in das
Hanoier Stadtgebiet fahren dürfen, wurden die insgesamt 7 Kisten dann
gegen 0:30 abgeholt und entschwanden. Wir erhielten am nächsten Tag lediglich
per E-Mail die Bestätigung, dass unsere Sachen
abgeholt worden seien (ohne jegliche Spezifikation).
„Hallo Herr Lohse,
Hiermit bestätige ich, dass ich gestern
abend Ihre Sachen zum Transport nach Deutschland geholt habe.
Ich wuensche Ihnen und Ihrer Frau noch
einen guten Flug
Mgf Linh“
Später dann
kamen die „ bill of lading“ der Jet Nautic Line (mit nach zwei Tagen später
korrigierter Version) und noch paar Tage später
eine Rechnung, die auch noch mal später in korrigierter Version erschien.
Ohne weitere Erläuterung sollten wir diese nur bestätigen- später erfuhren wir
dann, dass Müller+Partner (Berlin) in Vorkasse
an Hanoi bezahlen würde.
Damit war dann das „Trauerspiel Vitraco“ vorerst
beendet und wir waren voll banger
Erwartung, ob, wann und welchem Zustand unsere Güter schließlich in Erfurt
eintreffen würden.
Schon in Deutschland hatte ich mit Gerhard C. Kontakt aufgenommen. Dieser hatte seinen gesamten Hausrat bereits
im November 2012 in einem großen Container mit Vitraco nach Deutschland
geschickt. In den Vorabsprachen mit Vitraco war mir Gerhard als gutes Beispiel genannt
worden. Aus o.g. Zeitgründen hatte ich aber keine Gelegenheit, sein Urteil
einzuholen. Er schilderte mir sehr
ausführlich, welchen Ärger er mit dieser
Firma gehabt habe. Auf Ersatzansprüche wegen fehlender Geräte musste er mehr
als 6 Monate warten. Als Referenzbeispiel stehe er absolut nicht zur Verfügung.
Diese Auskünfte trugen natürlich nicht zur Verbesserung unserer Erwartungshaltung bei.
Ende August war es dann so weit.
Auf unsere Nachfrage(!) erhielten wir die Info, dass die Ladung in Hamburg angekommen sei. Nach einigem Hick-Hack mit der
Auslieferung (Man muss bei M+P die Rechnung im Voraus bezahlen, damit die Ware
ausgeliefert wird) traf dann am 4.9. die
Sendung in Erfurt ein. Die Überprüfung ergab:
-
Ein Steingutuntersetzer ist total zerbrochen
-
Ein Steinguttopf ist angeschlagen
-
Zwei der insgesamt 5 Möbelstücke zeigen
erhebliche Kratzspuren, was den Wert der Garnitur insgesamt erheblich mindert
Egal wie dies ausgeht. Das Fazit heißt eindeutig: „ Hände
weg von Vitraco und Müller und Partner!!!“
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