Mittwoch, 18. September 2013

Ausreise

             
Das Kapitel „ Vietnam“ ist eigentlich mit unserer Ausreise am 5.7.2013 beendet.
In den letzten Wochen und Monaten haben sich aber noch viele Eindrücke und Infos angesammelt, für deren Verarbeitung im Blog aus verschiedensten Gründen einfach keine Zeit war. Deshalb folgen jetzt auch in diesem Blog noch einige Einträge, während auch das Tadschikistan –Blog wieder aktiviert wurde.
Beginnen wir aber hier mit der Ausreise selbst. Deren Vorbereitung  und Organisation allein war zeit- und nervenaufwendig und belustigend zugleich.
Schon rechtzeitig hatten wir uns im Internet sowie bei Freunden und Kollegen nach geeigneten Unternehmen für unsere Transportaufgaben erkundigt. Die Aufgaben waren nicht ganz so einfach. Es standen die Fragen, ob wir einen Teil  unserer Güter nach Duschanbe  direkt schicken sollten und für welche Güter das möglich wäre und ob und welche Güter nach Deutschland transportiert werden sollten und auf welchem Wege.
Die Strecke Hanoi – Duschanbe ist ja wirklich nicht gerate eine stark frequentierte Route. Belustigend war immer wieder die Frage von den verschiedensten Unternehmen, ob die Güter  nach Duschanbe per Luft oder Seefracht geschickt werden sollten, obwohl ich schon vorab darauf hingewiesen hatte, das Tadschikistan in Zentralasien liegt und keinen Seehafen hat. Da bekamen wir schon teilweise abenteuerliche Routenvorschläge  via Rotterdam und dann quer durch Europa und Russland auf dem Landwege oder via einen Seehafen im Iran und dann per Land über Iran, Irak, Afghanistan nach Duschanbe. Ein Unternehmen ermittelte sogar einen Hafen in Kjuchand, einer Stadt im Norden Tadschikistans in der Nähe von einem Stausee(!!!).
Und für die Luftfracht standen dann die Fragen der Preise und der zulässigen Abmessungen der Packstücke. Schließlich wollten wir ja unsere wunderschönen Stehlampen mit in die neue Wohnung verfrachten. Von dem Vorhaben, unsere Rattan Möbel nach Duschanbe zu bringen, mussten wir uns leider dann doch verabschieden.
Für eine umfangreiche Seefracht nach Deutschland  hätten wir wesentlich frühzeitiger die Weichen stellen müssen, damit alles rechtzeitig im Juli hätte ankommen können.
In dieses Entscheidungsgeflecht tauchten dann einige Firmen ein, die wir in die engere Wahl gezogen hatten.  Sie vermaßen und fotografierten die einzelnen Güter oder erstellten ihre Angebote aus der Erinnerung und Erfahrung. Schließlich gaben wir DB Schenker  den Auftrag für Luftfracht nach FFM und Duschanbe, jeweils nur bis zum Airport mit Selbstabholung. 
Der Packtermin wurde für den 1.7. vereinbart. Da trat dann eine Mannschaft von 6 Leuten + 1 Supervisor (der auch die Erstbesichtigung durchgeführt hatte) an mit Unmengen von Papier, Pappe und 4 vorbereiteten Holzkisten. 

Vor unseren staunenden Augen packten sie insgesamt 18 Kisten und Kartons innerhalb von  drei Stunden in einer Qualität, dass wir in Erfurt und Duschanbe nur zwei zerbrochen Gläser zu beklagen hatten. Und die hatten wir sogar noch selbst in die Original-Kaufkartons gesteckt. Tolle Leistung des Pack-Teams von Schenker !!
Dagegen zeigte das Logistik-Team des gleichen Unternehmens einige Schwächen:
1.     -  Wir wollten die Güter in Frankfurt am Samstag, den 6.7.  gleich selbst aus dem Cargo-Terminal abholen und so die Transportkosten nach Erfurt sparen. Das sollte nach Ansicht von Schenker- Hanoi  partout nicht klappen, da „die Dienststellen von Cargo und Zoll am Wochenende nicht arbeiten“. Das betrifft aber offensichtlich nur Schenker in Frankfurt. Nach einigen Telefonaten (Skype machte es möglich) konnte ich dann Schenker Hanoi überzeugen, dass andere Cargo Unternehmen auch direkt von VN-Airlines Güter abfertigen und der Zoll sehr wohl auch am WE tätig ist.
Das Auslösen der Güter im Frachtterminal samt Zoll verlief dann sehr einfach und reibungslos.
2.     -  Nach dem Verpacken wurden vom Supervisor nochmal die genauen Mengen Präzisiert und die Kosten per Mobil mit seinem Office abgestimmt. Die Rechnung fiel aber dann höher aus und wurde erst nach unserem Protest wieder auf den abgestimmten Betrag korrigiert.
3.      - Die Sendung nach Duschanbe sollte nicht vor dem 2.8. dort eintreffen, da wir selbst erst am 1.8. einfliegen und auch hier die Güter selbst abholen wollten.  Die Fracht wurde aber schon am 26.8. abgesendet und traf schon am 28.8. in D. ein. Also hatten wir für 3 unnötige Lagertage Lagergebühr zu zahlen- sehr ärgerlich. Aber nun finden wir gerade Wege, wie uns diese Gebühren von Schenker Hanoi wenigstens teilweise rückerstattet werden.
Alles in Allem: Schenker ist eine Empfehlung wert!
Sehr kurzfristig hatten wir uns dann doch entschieden zu versuchen, die Rattan-Möbel und einiges anderes doch per Seefracht nach Deutschland zu schicken. Unser Nachbar in Hanoi-Herr Trung, ein Vietnamese, der in Sonneberg einen Laden betreibt- hatte uns „ den Floh ins Ohr gesetzt“, dass dies über ihn und seine Handelspartner leicht zu händeln sei. Diese Partner bekamen aber dann sehr schnell „ kalte Füße“ und wir landeten auf Herrn Trung`s Empfehlung bei Vitraco, dem Hanoier Partnerunternehmen von Müller+Partner in Berlin. Nach Übermittlung von Fotos und Abmessungen der zu transportierenden Güter (insgesamt ca.3 m³) erhielten wir sehr schnell ein Angebot für den Haus zu Haus-Transport, das das von Schenker deutlich unterbot. Es wurde von der deutsch mit sächsischem Dialekt sprechenden vietnamesischen Chefin ausdrücklich bestätigt, dass die kurze Zeitspanne bis zu unserer   Ausreise  (10 Tage)  kein Problem sei. Und dann begann eine schweißtreibende und nervenaufreibende Tragik-Komödie:
1.Akt         Erstellung der Dokumente
Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass die Kommunikation zwischen zwei deutsch und vietnamesisch sprechenden Vietnamesen ( Vitraco und CIM) so schwierig sein kann, um in kurzer  Zeit die erforderlichen Bestätigungen zu erstellen, dass es sich bei der  zu transportierenden Ware  um Haushaltsgut eines in die Heimat zurückkehrenden Expats handelt.
Als „Gipfel der Unverfrorenheit“ wurden wir dann auch noch mehrfach ersucht, irgendwelche Blanko-Unterschriften „ für die Hafenbehörden“ zu leisten- diese Forderung wurde erst wieder von der Chefin nach unserer Beschwerde zurückgenommen
2.Akt         Verpackung
Uns wurde in Aussicht gestellt, dass die Güter unverpackt per LKW nach Haiphong  zum Hafen transportiert   und dort verpackt würden („aus Kostengründen“). Wiederum nach Einspruch bei der Chefin sollte dann die Verpackung bei uns im Hof am 3.7. erfolgen. An diesem Tag erschienen vormittags tatsächlich   2 Männer mit einer großen Rolle Plastikfolie. Da wir dann „ leider“ nicht genügend Pappe im Haus hatten, zogen sie erst mal wieder von dannen, um mit alten Kartons wieder zu kommen. Wir wurden immer wieder nach Textilien gefragt, mit denen dann noch eine Abpolsterung erfolgen könne.

Am Nachmittag kam dann die von uns mehrfach nachgefragte Holzumhüllung in Form von Latten-Käfigen-gefertigt von einem „ Subunternehmer“. Und siehe da-obwohl man am Vormittag nochmal Maß genommen hatte- es passte kein einziger der Käfige. Also musste noch ein Subunternehmer heran, der dann die Käfige einigermaßen passgerecht „ zusammenschusterte“. Und dabei mussten wir tüchtig aufpassen, dass nicht das Holz generell an den nur mit Folie abgedeckten Möbels scheuerte.


Da LKWs ohne teure Ausnahmegenehmigung nur nachts in das  Hanoier Stadtgebiet fahren dürfen, wurden die insgesamt 7 Kisten dann gegen 0:30 abgeholt und entschwanden. Wir erhielten am nächsten Tag lediglich per E-Mail die Bestätigung, dass unsere Sachen  abgeholt worden seien (ohne jegliche Spezifikation).
„Hallo Herr Lohse,

Hiermit bestätige ich, dass ich gestern abend Ihre Sachen zum Transport nach Deutschland geholt habe.

Ich wuensche Ihnen und Ihrer Frau noch einen guten Flug

Mgf Linh“

Später  dann kamen die „ bill of lading“ der Jet Nautic Line (mit nach zwei Tagen später korrigierter Version) und noch paar Tage später  eine Rechnung, die auch noch mal später in korrigierter Version erschien. Ohne weitere Erläuterung sollten wir diese nur bestätigen- später erfuhren wir dann, dass Müller+Partner (Berlin)  in Vorkasse an Hanoi bezahlen würde.

Damit war dann das „Trauerspiel Vitraco“ vorerst beendet und wir waren  voll banger Erwartung, ob, wann und welchem Zustand unsere Güter schließlich in Erfurt eintreffen würden.

Schon in Deutschland hatte  ich mit Gerhard C. Kontakt aufgenommen.  Dieser hatte seinen gesamten Hausrat bereits im November 2012 in einem großen Container mit Vitraco nach Deutschland geschickt. In den Vorabsprachen mit Vitraco war mir Gerhard als gutes Beispiel genannt worden. Aus o.g. Zeitgründen hatte ich aber keine Gelegenheit, sein Urteil einzuholen.  Er schilderte mir sehr ausführlich, welchen Ärger  er mit dieser Firma gehabt habe. Auf Ersatzansprüche wegen fehlender Geräte musste er mehr als 6 Monate warten. Als Referenzbeispiel stehe er absolut nicht zur Verfügung. Diese Auskünfte trugen natürlich nicht zur Verbesserung  unserer Erwartungshaltung bei.
Ende August war es dann so weit. Auf unsere Nachfrage(!) erhielten wir die Info, dass die Ladung in Hamburg  angekommen sei. Nach einigem Hick-Hack mit der Auslieferung (Man muss bei M+P die Rechnung im Voraus bezahlen, damit die Ware ausgeliefert wird)  traf dann am 4.9. die Sendung in Erfurt ein. Die Überprüfung ergab:
-        Ein Steingutuntersetzer ist total zerbrochen

-        Ein Steinguttopf ist angeschlagen
-        Zwei der insgesamt 5 Möbelstücke zeigen erhebliche Kratzspuren, was den Wert der Garnitur insgesamt erheblich mindert












Nun sind wir dabei, die doch erheblich höheren, als die veranschlagten Hafenkosten zu überprüfen (Die uns gegenüber erwähnte Hundestaffel des Zoll war doch bestimmt nicht nur wegen unserer       3 m³ gekommen) und uns mit M+P wegen Ersatzansprüchen wegen Wertminderung  herumzuschlagen.

Egal wie dies ausgeht. Das Fazit heißt eindeutig: „ Hände weg von Vitraco und Müller und Partner!!!“

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