um – die Fahrt in den Naturpark Tam Dao, ca. 65 km nördlich von Hanoi.
Die Strecke demonstrierte uns wiederum, wie abwechslungsreich die Landschaft in Vietnam sein kann. Gleich nach Überquerung des Roten Flusses passierten wir einen ausgedehnten Industriepark. Hauptsächlich ausländische Firmen , wie Canon usw. sind hier angesiedelt.
Und keine 2 km weiter fährt man dann kilometerweit über holprige Straßen an Blumenfeldern entlang. Soweit wie das Auge reichen kann, erstreckten sich hauptsächlich Rosenfelder. Und kaum vorstellbar- die langstieligen Rosen waren Blüte für Blüte in Papier eingewickelt; sicherlich schon „ auf dem Stamm“ für den Verkauf vorbereitet.
Etwas weiter kommt man dann auf die große Hauptstraße, die vom Flughafen nach Nordwesten führt- vierspurig sehr gut ausgebaut. Hier sind auch ab und an größere inländische Firmen angesiedelt. Die Firmengelände präsentieren sich zumeist auch in einem ansprechenden „ out fit“. Zwischendurch erstrecken sich aber auch immer wieder kleinere Ortschaften ( das Wort „ Dorf“ will dafür einfach nicht so richtig passen, denn die Häuser – meist auf engem Grund hoch über mehrere Etagen- also „ Typisch vietnamesisch??“ sind von unseren Vorstellungen von einem Dorf doch weit entfernt) und natürlich Reis- und Gemüsefelder.
In Vinh Yen begegnet uns dann der bisherige „Gipfel der Überdimensionierung“. 4 – spurige Prachtstraßen mit Blumenrabatten und Kandelabern auf dem Mittelstreifen ( mit minimalem Verkehr!!!), fast km-lange Häuserreihen, mehretagig , unten Geschäfte, oben Wohnungen oder Büros ( bisher kaum belegt) und dahinter ausgedehntes erschlossenes Bauland . Auf einem Hügel „thront“ ein Palast – Schule oder Verwaltung??
Am Horizont hat sich mittlerweile schon das Bergmassiv angekündigt, auf das die nunmehr normale Strasse
zusteuert. Ja , und war die Fahrt bis hierher schon kurzweilig- jetzt beginnt das Abenteuer!! Wenn man den Eingang zum Nationalpark am Fuße der Berge rechts liegen lässt, dann geht’s danach sofort bergauf. Auf
11 km Fahrstrecke wollen ca. 800 Höhenmeter überwunden werden. Eine gut asphaltierte Strasse präsentiert Serpentinen und Haarnadelkurven m reichhaltigen Angebot und natürlich atemberaubende Blicke hinauf und hinunter. Die Vegetation wechselt ständig. Bambusdickichte in den unteren Regionen werden abgelöst von mächtigen Kiefern, denen sich dann wieder vielartige Hartlaubbestände anschließen. Aber meist geht es bunt durcheinander. Ja , wirklich bunt, denn es blüht an allen Orten und in allen Höhenlagen.
Nach der ..zigsten Kurve öffnet sich dann der Blick auf „ Tam Dao Hill Station“. Über viele Höhenschichten verteilt scheinen die Bauten an die Berghänge geklebt zu sein. Beim Annähern werden dann doch die Strukturen des Ortes sichtbar- eine Panoramastraße, steile Kurven und Anstiege, ein Plateau mit einem „ Soccer-Place“ und einem Bassin ( das soll ein öffentlicher Pool sein). Und dazwischen Hotel, Hotels, Hotels und Gasthäuser en maß. Aufgelockert wird das alles durch zahlreiche Terrassen-Felder. Früher wurde hier mal Tee angebaut- heute wächst hier massenweise ein spezielles Gemüse. Die kürbisartigen Pflanzen werden kurz vor der Blüte abgeschnitten. Blütenansätze, Blätter und Stiele werden dann mit vielen Gewürzen , u.a. viel Knoblauch gedünstet und fertig ist „ Rau Bi“ – sehr lecker. Massenweise wird das „ Grünzeug“ geerntet , gebündelt und auch an die zahlreichen Touristen verkauft oder in großen Gebinden ins Tal gebracht- natürlich zumeist per Moped.
Die Lage würde es eigentlich hergeben, hier einen tollen „ Höhenkurort“ zu etablieren. Aber , wenn auch Touristen zu Massen mit Bussen , Taxen , Privat-Pkw und Zweirädern hierher strömen, so richtig gemütlich , anheimelnd oder – was man sonst so erwarten könnte- stellt sich der Ort derzeitig leider nicht dar. Von dem ehemaligen Refugium der Franzosen in luftiger Höh´ ist so gut wie nichts übrig geblieben. Die Zerstörung ihrer Villen hatten die Franzosen selbst noch bei ihrem Abzug besorgt. Die neu entstandenen Hotels und Restaurants entwickeln derzeitig zumeist den Charme von Wartesälen“ , die Verkaufstände bieten meist billigen Tant und die öffentlichen Anlagen sind nicht besonders gut gepflegt. Da können auch die abends farbenstark leuchtenden Lichterketten nicht darüber hinweg täuschen. Als einzigstes Hotel hat das „Mela- Hotel „ eine gewisse Atmosphäre, aber auch diesem Manager wäre eine straffere Hand zu wünschen.
Eine der wenigen Attraktionen des Ortes, der Wasserfall führt zu dieser Zeit kein Wasser. Man kann es aber erahnen, mit welcher Wucht hier nach der Regenzeit die Wassermassen als ein imposantes Naturschauspiel zu Tal stürzen.
Um das Überleben und einen Stellenwert im geistlichen Milieu kämpft die katholische Kirche des Ortes. Eingebettet in ein ehemaliges Gewerkschafts- Erholungsobjekt und in dieser Nachbarschaft in der Vergangenheit mehrfach umfunktioniert, kann sie nun schon auf erste Erfolge verweisen. Es finden Gottesdienste statt und zweimal am Tage schwingt der Klang mehrerer Glocken über den Talkessel.
Keine 300 m entfernt beginnt der Zugang zu einem Tempel- die Händlerstände weisen den Weg. Viele, viele Treppenstufen muss man überwinden , um zum eigentlichen Tempel zu gelangen. Wir , als „in der Tempelwelt nicht so bewanderten Touristen“ empfanden als besondere Attraktionen
einen riesengroßen Apfelsinenbaum am Eingang des Tempels
und
eine Vielzahl von Statuen aus hellem Marmor.
Auch in diesem Tempel scheinen die finanziellen Reserven um Einiges größer zu sein als in der christlichen Kirche. Denn es wird weiter fleißig gebaut. Ein großes Gebäude ist nach seiner Fertigstellung über weitere ca. 150 Stufen zu erreichen.
Und wer vom Treppensteigen noch nicht genug hat, der kann dann außerhalb der Tempelanlage noch bis zum Gipfel steigen, um den Radio- und TV- Sendemast zu besichtigen. Es sollen wohl auch mehr als 1000 Stufen sein. Wir haben sie nicht gezählt und auf der Hälfte (??) der Strecke „ gekniffen“.
Natürlich ist auch der Nationalpark am Fuße des Massives einen Besuch Wert. Die große Attraktion sollte eigentlich das „ Vietnam Bear Rescue Center“ sein. Eine Quarantäne-Station und ein großes Freigehege sind vorhanden und auch eine ganze Menge von Leuten laufen da herum - aber leider keine Bären. Und die Informationsfähigkeit dieser Leute ist auch minimal- erst über Umwege konnten wir in Erfahrung bringen, dass die Bären erst Ende April wieder in Ihrem Quartier zu sehen sein sollen. Wo sie sich gegenwärtig aufhalten, das blieb ein Rätsel....
Einige Gebäude und Hinweistafeln künden von vergangenen Aktivitäten des DED und der GTZ- aber leider ist von Nachhaltigkeit nicht viel zu spüren.... So verliert sich auch der mehrfach ausgeschilderte „ Dschungel- Trail“ nach wenigen 100 m im Nichts... eigentlich schade!!
Also erkunden wir auf „eigene Faust „ das Gelände. Zeitweise schließen wir uns einer Gruppe von Jugendlichen aus Hanoi an, die lustig und lautstark sich durch das Gebüsch kämpft
und in den Felsbrocken des Baches herumtollt.
Ja, hier haben wir in wieder getroffen- den Wasserfall von der „ Hill-Station“. Verstärkt durch einige „ Brüder und Schwestern“ führt er hier doch etwas mehr Wasser. Aber er tänzelt doch recht friedlich und geruhsam über die Felsbrocken und Baumwurzeln,
um immer wieder in größeren oder kleinere Becken Halt zu machen. Das muss ein Tosen und Brausen geben, wenn von oben volle Wassermassen herabstürzen. Grund genug, dieses Terrain noch mal zu besuchen!!
Übrigens: Im Hotel fanden wir eine besonders gelungene Konstruktion eines Moskitonetztes:
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