Diese Geschichte könnte sich so oder ähnlich in den ersten Wochen unseres Lebens in Vietnam zugetragen haben. Ein Kollege berichtete uns von einem derartigen Erlebnis.....
Seit einiger Zeit kaufe ich nun schon auf dem Markt frisches Gemüse. Mit den Fingern treffe ich meine Auswahl und auch in der Fingersprache und durch Zeigen der entsprechenden Geldscheine verständige ich mich mit den Marktfrauen über den Preis. Da ist sogar ab und an ein leichtes Handeln möglich.
Angeregt durch erste Fortschritte im Vietnamesisch- Unterricht möchte ich nun diese Form der Kommunikation auf eine höhere Niveaustufe bringen- schließlich haben wir schon die einfache Grußformel „Chi co khoe khong?“ gelernt. Wörtlich heißt das soviel wie „ Du, Frau, bist gesund?“
Nach vielem Üben klingt das auch in meiner Aussprache schon fast vietnamesisch. Und in anderen Sprachen hat das doch auch immer ganz gut geklappt: Nach einem „ Kak delo ?“
( wörtlich : „ wie ist die Sache?“) wurden doch die Menschen in Russland und in der Ukraine auch immer gleich etwas freundlicher. Und das „ How are you?“ ist doch fast in aller Welt geläufig. In Baku waren es wohl die einzigen englischen Worte unseres Hausmeisters, die er mir zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit fröhlich entgegen schmetterte.
Derart motiviert wollte ich also bei meinem nächsten Einkauf zur Tat schreiten.
Selbstbewusst betrete ich die Bühne, sprich den Marktstand und biete laut und deutlich meine Grußformel dar. Doch was passiert jetzt? Statt einer Antwort mischen sich in die Augen der Verkäuferin, die freudig- erregt auf die bevorstehende Kaufhandlung gerichtet waren, Überraschung und Unverständnis. „ Was will dieser langnasige Ausländer nur??“ Sie zeigt auf dies und das. Ein Redeschwall quillt mir entgegen, aus dem meine Ohren die Worte „ mua, mua...“ ( kaufen , kaufen!!) filtern.
Nein, ich will jetzt noch keine Möhren oder Ingwer kaufen, auch Auberginen oder Zwiebeln nicht ( all das , was ich in den vergangenen tagen immer kaufte , bietet sie mir an). Ich will einfach nur freundlich sein und wiederhole noch mal mein „Chi co khoe khong?“- laut und deutlich , so bilde ich mir es ein.
Die Nachbarverkäuferin kommt „ zu Hilfe“. Sie tippt Zahlen in den Taschenrechner- sicher hat sie vermutet, dass ich den Preis erfragen will . Nein auch dass wollte ich nicht und schon ein wenig trotzig wiederhole ich mein „Chi co khoe khong?“.
Nun wird es beinahe hektisch- lautstarke Gesprächsfetzen schwirren zwischen den Verkaufständen hin und her, eine Kundin kommt hinzu, eine Zweite, ein Mopedfahrer hält an und beteiligt sich am Palaver . Im Nu bildet sich eine Menschentraube- wild gestikulierend. Und ich armer Kerl- der einfach nur freundlich sein wollte – mittendrin. Was habe ich nur angerichtet??
Gerade will ich mich vorsichtig davonstehlen, da höre ich doch ein paar bekannte Laute. Eine Kundin lächelt mich freundlich an und ich interpretiere Ihre Worte als „ Came on . Em Khoe. Va Co?“ ( Danke! Mir geht es gut- und Dir?). Erleichtert bringe ich noch ein „ Toi Khoe“
( Mir geht es gut) hervor und dann trolle ich mich von dannen.. Zurück bleibt eine, sich langsam auflösende Menschenmenge, die sich scheinbar noch länger über den „ Komischen Ausländer“ amüsiert...
In den nächsten Tagen habe ich dann mein Gemüse erst mal an einem anderen Ort gekauft....
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