Freitag, 19. Oktober 2012

Küchenreparatur- der Holzwurm lässt grüßen



Unsere Küchenmöbel sind ja nicht besonders praktisch- aber eben „ vietnamesisch schön“.


Und sie haben ein „Eigenleben“. Oder besser gesagt: hatten.
Doch der Reihe nach!

Als wir eingezogen waren, hatten wir die kleinen weißen Häufchen im Eckschrank als Nachlässigkeit der Monteure gewertet, die Sägespäne nicht gründlich beseitigt hatten.
Und als wir das erste Mal kleine Häufchen „Kaffeepulver“ entdeckten, an Stellen, wo normalerweise kein Kaffee verschüttet wird, da konnten wir uns das nicht so richtig erklären. Aber es beunruhigte uns nicht weiter.

Als aber dann derartige helle und vor allem braune Häufchen immer wieder und an mehreren Stellen auftraten, wurden wir doch stutzig und alarmierten unseren Vermieter. Herr Tung erklärte das damit, dass die unteren Zierblenden aus minderwertigem Holz gefertigt seien, das wohl von einem Holzschädling befallen sei. Die übrigen Schrankteile seien aber aus wertvollem, härteren Holz und für die bestände keine Gefahr eines Befalls.
Die unteren Blenden wurden ausgewechselt und somit sollte das Problem behoben sein.
War es aber nicht!
Die Fraßstellen nahmen an Anzahl und Intensität zu. Meist wurden sie noch von der äußeren dünnen  Schicht aus gebeizten und lackierten Holz verdeckt, aber bald brachen diese Hüllen auch an einigen Stellen auf.
Über  zwei Jahre lang „ beknieten“ wir nun den Anh ( Herrn) Tung, doch etwas zum Schutze seiner Möbel zu tun. Jedes Mal zum Termin der Mietenkassierung wurde dann palavert und auch von „ Fachleuten“ vermessen- aber es tat sich nichts.

Nunmehr nach über drei Jahren Mietzeit zeigte die erste Seitenwand des Glasschrankes derartige Fraßschäden, dass wir uns um die Stabilität zu bangen begannen. Und nun wurde auch Anh Tung wach. Nach mehrmaligen Terminabsprachen, die allesamt nicht eingehalten wurden, erschien Anh Tung tatsächlich „ mit großem Gefolge“. Wieder wurde gemessen und diskutiert und man verschwand mit der Ankündigung: „ Morgen wird der Glasschrank erneuert“.

Pflicht gemäss und vorsorglich räumte ich alles Geschirr `raus und wartete.  Und es kamen zwei Monteure- ohne Glasschrank! Sie schraubten die Glastür ab, nahmen nochmals Maß und verschwanden wieder- ohne Info über den weiteren Werdegang.
Natürlich hatte ich die Kritik meiner besseren Hälfte ob meiner Eifrigkeit mit dem Ausräumen auf meiner Seite!!
Nach 7 Tagen, wir  hatten fast wieder alles eingeräumt, kam der Alarm: „Morgen!“- Natürlich war auch dies ein Fehlalarm, aber „ übermorgen“ rückte dann ein Dreier-Team an- mit neuem Glasschrank.
Aber das war nur „ die Spitze vom Eisberg“. Man bedeutete uns, dass jetzt sofort der gesamte Unterbau ausgeräumt werden müsse. Und als wir ( Vera wollte gerade zur Arbeit fahren!!) noch versuchten, alles einigermaßen geordnet aus- und wegzuräumen, begannen die Jungs doch tatsächlich mit der Demontage von Gaskocher, Spüle und Granitplatten der Arbeitsfläche.
Und da wurden auch die Übeltäter sichtbar:


Con mọt oder Anobium punctatum 
  oder Holzwurm



Wenn nun Anh Tung ( bzw. dessen Vertretung Frau Tung)  noch immer gehofft hatte, im Unterbau vielleicht nur ein paar Leisten oder Wände auswechseln zu müssen, so wurden sie dann doch- auch nach Konsultation von zwei  Vertretern der Schädlingsbekämpfungszunft- eines Besseren oder Schlimmeren belehrt:
Der Befall ist dermaßen stark verbreitet, dass wirklich der gesamte Unterbau erneuert werden muss.




Da bestand nun die Vorstellung, dass sie den ganzen „ Krempel“ abtransportieren und
„ vielleicht in 5 Tagen“ alles wieder einbauen wollten.
5 Tage ( oder nach den Erfahrungen mit dem Glasschrank vielleicht doch eher 14 Tage??) ohne funktionierende Küche- da wäre doch wohl zuviel!!
Nach meinem vehementen Einspruch wurde dann ein Kompromiss gefunden:
Alle Kästen und Schübe wurden auch noch geleert, alle Türen und Beschläge abgeschraubt und nochmals alles vermessen und skizziert. Und der nackte zerfressene Unterbau kam wieder an Ort und Stelle, Gaskocher und Spüle wurden wieder re-installiert. Jetzt wird in der Werkstatt in Ruhe alles vorbereitet und wir haben eine behelfsmäßig funktionierende  und eingerichtete Küche. Mal sehen, wie lange dieser Zustand nun andauern wird ……

Zurück bleibt die spannende Frage, ob dieser Aufwand bei rechtzeitiger Aktivität hätte verhindert werden können.

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