Montag, 19. September 2011

Regenzeit

Nach langjährigen Statistiken ( 1898-1990)  fallen in den Monaten Juni bis September  in Hanoi die meisten Niederschläge. In  den Jahren 1993-95 und 1999 –2010 ( also immerhin auch 15 jährige Messreihen) reiht sich  noch der Monat Mai in die Regenzeit ein. Da fallen dann im monatlichen Durchschnitt 200 und mehr mm Regen. Richtig zur Sache geht es im Juli und August mit 342 bzw. 310 mm.
In diesen Monaten liegen dann auch die Monatswerte der Lufttemperatur über 27 Grad und die Sonne scheint am längsten- über 140 Stunden im Monat.

Doch was können uns schon diese Mittelwerte sagen? 
Wie ausreichend informieren sie uns über das Wetter in einem Lande? Richtig interessant wird es, wenn man die Monatswerte in den einzelnen Jahren aus dem 15- Jahreszeitraum anschaut.  Da schwanken die Niederschlagswerte im regenreichsten Monat  Juli zwischen 186 mm im Jahre 1993 und
 551 mm im Jahre 2009.  Im Vergleich  zum Mittelwert vom 324 mm beträgt also die Spannweite zwischen Minimum und Maximum 113 %. In den übrigen Monaten der Regenzeit ist diese Abweichung vom Mittelwert sogar noch erheblich höher
Das muss man sich mal vorstellen!  551 mm  Niederschlag in einem Monat- das sind fünf und ein halber Wassereimer voll auf einen m² . Und diese fallen ja nicht gleichmäßig verteilt über die rund gerechnet30 Tage und  720 Stunden eines Monats. Nein, oft genug schüttet es richtig mächtig. 
Da kommt es eben dann auch vor, dass die Kanalisation die Wassermassen nicht fassen kann und das Wasser nicht in den Gully, sondern aus im heraus strömt und ganze Straßenabschnitte unter Wasser stehen. Ich selbst bin in der Vong Thi schon durch das Wasser gewatet und sogar in der Hai Ba Trung mit dem Moped durch die Fluten gefahren. Leider hatte ich beide Male keinen Fotoapparat zur Hand, aber von Jowi habe ich mir ein paar Bilder von ähnlichen Situationen im Jahre 2010 ausgeliehen.



Und oft genug scheint dann kurz nach dem Guss wieder die Sonne und nach einer Stunde liegt die Strasse wieder trocken, als wäre nichts geschehen- bevor dann der nächste Guss kommt.. Das war am 19.8. diesen Jahres. An diesem Tage  hatten wir  immerhin fast  30 mm in einer Stunde und 57 mm an dem ganzen Tag.
(Seit dem 8.August diesen Jahres habe ich einen Regenmesser installiert und kann nun sogar die Tageswerte feststellen.).
Insgesamt haben wir aber in der Zeit seit August 2009 noch keinen extrem nassen Monat erlebt. Im Gegenteil: das Jahr 2010 war das bisher trockenste in diesem Zeitraum
Und noch etwas zeigen die einzelnen Monatwerte: Man kann sich nicht darauf verlassen, dass es außerhalb der Regenzeit auch wirklich trocken ist!  Im Jahre 2008 hätten die Monate Oktober und November mit 469 und 259 mm es jedem Regenzeitmonat gleich getan.

Ganz anders als beim Niederschlag zeigen sich die einzelnen Monatwerte der Temperatur. 
Die Abweichungen von den Mittelwerten liegen in der Regenzeit  unter 15 % vom Mittelwert. Das heißt, es ist in all den Jahren in der Regenzeit gleichmäßig warm bzw. heiß. Und da hatten wir mit dem August 2009 und Juni 2010 auch gleich zwei „ Rekordhalter“ der15 -Jahres-Reihen

Wer nun erwartet hatte, dass ich noch viel über die Luftfeuchte schreibe, den muss ich enttäuschen. Wie international üblich, wird ja die relative Luftfeuchte gemessen. Und diese sagt mit den Monatsdurchschnittswerten wenig aus. Sie liegen in dem gesamten Zeitraum im Bereich zwischen 67 und 88 %. Hier wären die Tageswerte und vielleicht sogar die Stundenwerte interessanter. Denn ich habe schon mehrfach erlebt, dass die rel. Luftfeuchte den eigentlich typischen Tagesgang durchbricht und binnen kurzer Zeit am Tage sprunghaft wechselt.
Aber insgesamt liegen natürlich bei den hohen Tagestemperaturen der absolute Wassergehalt  der Luft  und alle Feuchteparameter wesentlich über den Werten, die in Mitteleuropa als
 „ Wohlfühlbereich“ angegeben werden.

Und so sitze ich jetzt in meinem Zimmer beim Schreiben und schwitze…….
PS. Die Daten der Jahre 1993-95 und 1999 –2010 habe ich den einschlägigen Statistischen Jahrbüchern kostenfrei entnommen. Auf der langwierigen Suche nach den Meßreihen der jahre 1996 bis 98 wurde ich dann auch noch beim Datencenter des Wetteramtes fündig- scheiterte dann aber an den unverschämten finanziellen Forderungen

Ups, da ist mir doch glatt noch ein anderes Bild " hereingerutscht" , das ich in den MDR-Nachrichten vom 20.09. fand

Nachdem es in Deutschland auch genügend "Land unter-Bilder " gibt, kann ich wohl mit den Mopeds im Wasser niemand mehr schocken. Nur eben, dass hier kaum jemand darüber spricht , weil es zum Alltag gehört

1 Kommentar:

  1. Genau das ist das faszinierende: Überschwemmung ist normal.
    Bei meiner Hochschule steht nach jedem Regenguss der Hof unter Wasser - oft auch die Büros im EG. Kein Hinderungsgrund für die Planungskommission, den geplanten Neubau mit einer großen Tiefgarage zu versehen...

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